Zur Friedensdekade

Ehrlicher machen (Gedanken zu Joh 14,27 von Anne Veit)

 

Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 

Wir sollten uns ehrlich machen – so der Bundespräsident in seiner Rede zum Tag der Deutsche Einheit. Ehrlich im Blick auf Migration, Fluchtgründe und Zuwanderung. „Ehrlich machen“ sollte wohl heißen, hinter dem moralischen Gutmenschentum der grenzenlosen Willkommenskultur den besorgten Bürger zu entdecken. Ist das so? Wenn wir ehrlich sind, haben wir doch alle Angst um unsere Heimat und Sicherheit?

 

Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 

Tatsächlich scheint die Politik die Sorgen der Menschen entdeckt zu haben. Man kümmert sich. Es wird darüber gestritten, wer was kriegen und wer was abgeben muss. Wer Hilfe braucht und wer Hilfe kriegt. Was mein Problem ist und worum sich andere kümmern oder worum sich keiner kümmert. Das ist, wie die Welt gibt.

 

Es wird versprochen, dass Zuwanderung begrenzt wird, der öffentliche Raum videoüberwacht, dass wir nicht auf Wohlstand verzichten müssen, dass die klassische Familie gestärkt wird und die Leitkultur gefördert, dass zuerst dem eigenen Volk geholfen wird. Das ist, wie die Welt gibt.

 

Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 

Mein Wunsch nach Frieden und das, was die Welt als Antwort gibt: Was ich will, geht immer auf Kosten anderer. Verteilungskämpfe. Das Ziehen an einer Decke, die immer zu kurz scheint. Mehr für diese bedeutet weniger für jene. Mehr Möglichkeiten hier bedeutet Überforderung dort. Man verspricht mir, dass ich nicht zu kurz komme und dass ich meine Ruhe habe. Ist es das, was ich will?  Ist das meine ehrliche Sehnsucht? Hilft das gegen meine Angst?

 

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 

Ich glaube, „ehrlich machen“ reicht nicht. Ich muss mich noch ehrlicher machen. Eigentlicher. Frieden bedeutet eigentlich eben nicht einfach nur, dass ich persönlich meine Ruhe habe. Eigentlich habe ich ein tiefes Bedürfnis danach, mit Menschen zusammen leben zu können, ohne immer an der Decke zu ziehen. Ich habe Sehnsucht nach der Utopie; danach, dass für jede und jeden genug da ist; danach, dass es solidarisch geht. Hab ich bloß schon aufgegeben. Trau mich nicht mehr, das zu sagen. Hab mir abgewöhnt, das zu spüren. Ist zu utopisch und naiv. Jede/r zieht doch an der Decke.

 

Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 

Meine politischen Forderungen sind nicht das ehrlichste an mir, sie sind ein Kompromiss mit der Welt und dem, was ich für ihre Möglichkeiten halte. Wie so oft bringt mich Gottes Blick mir selbst näher: Das Brot des Lebens ist etwas anderes als das Abendbrot im engsten Familienkreis und das Licht der Welt ist etwas anderes als ein Energieverbraucher in meiner Stube. Der Friede Gottes fragt nach sehr viel mehr als nach meinem ruhigen Leben. Und doch fragt er nach mir – nur sehr viel ehrlicher. Er fragt nach dem Eigentlichen, nach dem, was in mir im tiefsten Sinne menschlich und göttlich ist. Nach dem, was Gott war, als er Mensch wurde. Das eigentlich und ehrlicher Menschliche ist Durst und Hunger nach einer Gerechtigkeit, die alle einschließt, nach dem Leben in Fülle für alle.

 

Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 

Tatsächlich und ehrlicher schafft mir jedes Geben der Welt, das meine oberflächlichen Forderungen befriedigt, doch nur immer mehr Unruhe, weil ich in der Tiefe das Unsolidarische darin spüre. Ich weiß, dass am anderen Ende jemand friert, wenn ich hier an der Decke ziehe. Und, ehrlicher gesagt, weiß ich, dass ich unruhig sein werde, solange auch nur ein Mensch auf der Welt friert oder hungert. Ehrlicher und eigentlicher Frieden ist ein Frieden für alle. Die Antwort der Welt ist nicht die Antwort auf meine eigentliche Sehnsucht. Sieger sein im Verteilungskampf, die Decke nach Europa, nach Deutschland, in mein Haus, in mein Bett zu ziehen – das entspricht nicht dem, was ich als Mensch ehrlicher will.

 

Ehrlicher ist es, den Wunsch nach solidarischem Leben nicht mit dem zuzuschütten, was die Welt gibt. Die Sehnsucht nach Gottes großem Frieden ist ehrlicher als die kleinliche Antwort der Welt. Ehrlicher ist es, die Angst auszuhalten, als den wahren Frieden aufzugeben.

 

Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 

 

 

Ein Wort hat unsere Welt verändert

Gedanken zu Micha 4, 1 - 4 von Christiane Dohrn (aus Anlass der Friedensdekade)

 

Ein Wort kann die Welt verändern – ein Wort hat unsere Welt verändert.

Ein Wort ist eben nicht nur eine Sammlung von Buchstaben oder eine Aneinanderreihung von Lauten. Ein Wort ist Kraft, Mut, Lebendigkeit, Hoffnung – oder auch Gefahr und Bedrohung,

 

Das Wort von den Schwertern, die zu Pflugscharen umgeschmiedet werden, ist ein solches Wort. Mitten im Kalten Krieg bekam eine Hoffnung Füße, wurde tausendfach umhergetragen und machte den Mächtigen Angst.

Das friedliche Hoffnungsbild, das der Prophet Micha in seiner Vision schildert, lässt tief aufatmen und denken: ach ja, das wäre schön, aber... Aber dann brechen die schönen Bilder weg. Die Realität schiebt sich davor.

War Micha ein Träumer und Geschichtenerzähler?

 

Für mich ist er ein realistischer Visionär.

Micha hat sehr klar die Schwachpunkte seiner Gesellschaft aufgezeigt. Scharfzüngig klagt er Unrecht und Ungerechtigkeit an. Überdeutlich droht er Unheil und Zerstörung für die, die sich nicht an Gottes Weisung halten.

 

Aber mit Drohungen wird nichts besser. Wohl aber mit Hoffnung und Sehnsucht.

 Micha pflanzt mit seinen Worten Hoffnungsblumen und Sehnsuchtsbäume, die nicht kleinzukriegen sind – bis heute.

 

Das Besondere: Er schwärmt nicht einfach nur von einer besseren schönen und friedlichen Welt in irgendeiner Zukunft. Seine Vision beschreibt nicht nur, wie es einmal sein wird. Er zeigt die Schritte auf, die nötig sind, um dahin zu gelangen.

 

Und so sieht dieser Weg aus:

Am Ende der Tage werden die Völker zusammenkommen. Sie werden sich in Gottes Gegenwart versammeln und Gottes Weisung empfangen. Gott wird richten und für einen gerechten Ausgleich unter den Völkern sorgen.

Daraufhin werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln umschmieden. Kriegführung wird verlernt.

 

Das Realistische an diesem Szenario ist:

Zum einen: Es gibt keinen Frieden ohne soziale Gerechtigkeit. Die Krisenherde unserer Zeit bestätigen das auf beschämende Weise.

Zum anderen: Hinter der Frage nach Krieg oder Frieden steht die Frage, wofür die Ressourcen unserer Erde genutzt werden.

Für Micha hieß das: Wird das mühsam gewonnene Eisen eingesetzt zum Töten und Erobern oder zum Ernähren und um die Feldarbeit etwas leichter zu machen.

Beachtenswert auch die Reihenfolge bei Micha:

Nicht: Friede entsteht durch Abrüstung – sondern Abrüstung kann geschehen, weil Friede herrscht und Friede herrscht weil Gerechtigkeit und ausgleichenden Schlichtung geschehen ist.

 

Seit fast 3000 Jahren ist diese Hoffnung von den umgeschmiedeten Schwertern unter den Menschen. Immer wieder mit Füßen getreten und niedergeschossen und trotzdem nicht aus der Welt zu kriegen. Gott sei Dank!

 

 

Klarheit und Ermutigung

Eine Bitte des Initiativkreises an die 27. Landessynode

 

Als Christinnen und Christen in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens hat uns in den letzten Wochen der Ausgang der Bundestagswahl beschäftigt.

Wir sehen in diesem Herbst 2017 für unsere Kirche eine dreifache Aufgabe:

  • Beziehungs- und Gesprächsräume schaffen
  • Orientierung geben
  • Quellen der Hoffnung erschließen

 1) Beziehungs- und Gesprächsräume schaffen

Wir stimmen dem Bischof zu, der in seinem Wort nach der Wahl darauf hingewiesen hat, dass es für uns als sächsische Christinnen und Christen eine besondere Herausforderung ist, „die gesellschaftliche Debatte aufzugreifen, für Begegnungen offen zu sein“ und diesen Austausch in gegenseitigem Respekt zu führen, „um Diffamierungen jedweder Art zu vermeiden“.

 

Was er für seine Person betont, gilt unserer Auffassung nach für uns alle, nämlich dass es dabei notwendig ist, sich „von Äußerungen“ abzugrenzen, „die die Würde des Menschen verletzen“. Diese Verletzung geschieht nach unserem Eindruck leicht, wenn bestimmte Menschengruppen mit bestimmten Attributen belegt werden, wie „kriminell“, „gefährlich“ und „dumm“. Gemeinden und Christinnen und Christen können im privaten und seelsorglichen Raum, aber auch in Gruppen und Kreisen und im öffentlichen Raum ein respektvolles und aufmerksames Gespräch fördern und fordern. Viele tun dies. Sie sollten sich darin auch durch die Synode ermutigt und gestärkt wissen.

 

2) Orientierung geben

Als Kirche Jesu Christi sehen wir uns dazu gerufen, für das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe einzutreten. Die Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus geschenkt ist, wendet sich besonders denen zu, die leiden, die in Armut leben und verfolgt werden. Sie sucht die, die in Angst leben und die, die in die Irre gehen und sich mit Gewalt, Neid, Verachtung und Hass gemein machen. Christus ruft uns in den Dienst am Nächsten in Wort und Tat.

 

Als evangelische Kirche in Sachsen machen wir diese Liebe über alle Frömmigkeitsstile hinweg u.a. sichtbar im Engagement für Menschen jeden Alters, die Nähe und Hilfe oder Antwort auf Lebensfragen suchen. Dazu gehören auch die Flüchtlinge, die immer wieder pauschalen Vorurteilen, Anfeindungen und Gewalt ausgesetzt sind.

 

Wir bitten Sie, die Gemeinden und die Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst unserer Kirche zu ermutigen zu klaren Worten, die irreführende, Angst und Neid schürende Argumente und falsche Zahlen aufdecken und kritisieren. Mitfühlen mit einzelnen Menschen, genaues Beobachten und gesunder Selbstzweifel sind notwendig, um den Hass verkümmern zu lassen, der von Pauschalisierungen, Angst und Egoismus lebt.

 

Wir bitten Sie, Gemeinden stärker über das Thema „Kirchenasyl“ zu informieren und die Gemeinden zu ermutigen, die es bereits gewähren. Es ist ein notwendiges Instrument, das den einzelnen Menschen in den Blick nimmt, der unter die Räder politischer Interessen und Verallgemeinerungen zu geraten droht.

 

Wir bitten Sie, im Gespräch mit der Politik auf die realen Gründe für Unzufriedenheit in der Gesundheits-, Wohnungs-, Sozial- und Bildungspolitik hinzuweisen, die wir als Bürgerinnen und Bürger und als kirchliche Träger für Diakonie, KiTas und Schulen kennen, und dabei vor einer kurzschlüssigen Verknüpfung mit Einwanderung und Flucht zu warnen.

 

3) Quellen der Hoffnung erschließen

In einer Gesellschaft, in der Angst und Neid zur Motivation politischen Handelns aufgegriffen und geschürt werden, sehen wir unsere Landeskirche dazu gerufen, den Glauben als Quelle der Hoffnung ernst zu nehmen. Wir laden dazu ein, aus den Quellen der Hoffnung zu schöpfen, die Gott in jedes Leben gibt: Dankbarkeit, Erkenntnis der eigenen Fehlbarkeit und Vertrauen in die unverbrüchliche Liebe und Zuwendung Gottes.

 

Darum bitten wir Sie als hohe Synode um ein Wort der Klarheit und Ermutigung für die Christinnen und Christen in unseren Gemeinden und für die Menschen, mit denen wir in diesem Teil Deutschlands gemeinsam leben.

Bitte machen Sie hörbar und sichtbar, dass wir als Evangelisch-Lutherische Kirche in Sachsen allen Menschen, unabhängig von Herkunft und Hautfarbe, von Religion oder politischer Überzeugung, die Liebe Gottes in Tat und Wort bezeugen wollen.

Danken Sie und ermutigen Sie die Christinnen und Christen, die das beruflich oder im Ehrenamt tun.

Ermahnen Sie die, die sich von Angst und Neid leiten lassen.

Ermutigen Sie die Gemeinden, sich in Christus zu gründen und im Vertrauen auf sein Wort auf andere zuzugehen und mit Freimut und Liebe das Evangelium zu leben.

 

Für den Initiativkreis des Forums für Gemeinschaft und Theologie

 

Dr. Barbara Zeitler und Dr. Kathrin Mette

 

Gut sortiert (zum Anklicken)

Die 27 % für die AfD sind eine Anfrage an uns

Liebe Schwestern und Brüder, das Wahlergebnis - gerade auch in Sachsen - nötigt uns zu einem Eingeständnis „… wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ 

Es ist uns nicht gelungen, die lebensbejahende Kraft des Evangeliums, die sich in Liebe, Mitgefühl und solidarischer Haltung zeigt, so zu leben, dass sie als Alternative zu Hass, Gewalt und Ausgrenzung deutlich wurde.

Das Wahlergebnis - die 27 % für die AfD - sind eine Anfrage an uns als Kirche und Christ*innen: Was sind wir den Menschen schuldig geblieben 

  • an klaren Worten der Liebe gegen Hass
  • an geschwisterlichem Handeln
  • an überzeugtem und überzeugendem Leben?

 

Der Ruf zur Buße gilt zuerst uns, der Kirche Jesu Christi.

 

 

 

Das erspart uns aber nicht, in aller Klarheit zu sagen, dass es keine Schnittmengen zwischen dem rassistisch-nationalistischen Gedankengut der AfD und dem christlichen Glauben gibt. Im Evangelium wendet sich Gott allen Menschen in gleicher Weise zu und verbindet uns im Volk Gottes zu einer Gemeinschaft, in der die Unterschiede durch Herkunft, Geschlecht, Milieu - und was auch immer - aufgehoben sind. Und dieser Gedanke ist nicht exklusiv gedacht - als gelte er nur für Christ*innen. Denn es bleibt das Geheimnis Gottes, wer zum Volk Gottes gehört und wer nicht.

 

 

 

Aus diesem Grund kann es für uns nicht darum gehen, Verständnis zu haben. Sondern das, was wir uns zumuten, müssen wir auch den anderen zumuten. Tut Buße!

 

Der Ruf zur Buße ist der Ruf, auf dem Weg umzudrehen und zurückzugehen. Abzulassen von dem, was wir bisher getan haben. Wenn wir uns diese Zumutung ersparen - uns zur Buße zu nötigen und andere zur Buße aufzurufen - sind wir nicht mehr Kirche im Sinne Jesu.

 

Nächstenliebe verlangt Klarheit. Von uns und gegenüber anderen.

 

Frank Martin

Wer nicht wählt, wählt die Falschen

Am 24. September findet die Wahl zum Bundestag statt. Wahlprüfsteine auf der einen, Wahlkampfveranstaltungen auf der anderen Seite sollen die Entscheidung für die richtige Partei, die richtigen Personen erleichtern.

Ein Familienvater sagte: "Ich finde, wir Christen sollten uns aus der Politik heraushalten. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist." Diese Meinung ist kein Einzelfall, jedoch beruht diese Aussage auf einem Missverständnis.

"Die Politik" regelt ganz einfach das Zusammenleben der Menschen. Und da sollten wir als Christen nichts beizutragen haben? Doch.

Außerdem wählen wir nicht Frau Merkel oder Herrn Schulz, wir wählen keine Regierung, wir wählen das Parlament, Menschen aus unserer Region (oder sogar aus unserer Gemeinde), denen wir für die nächsten Jahre das Vertrauen schenken. Wer nicht wählt, wählt die Falschen.

Deshalb unterstützen wir gern den Aufruf des Evangelischen Zentrums Frauen und Männer.

 

Heiko Reinhold / Kohren-Sahlis

Demokratie in der Kirche und Demokratie und Kirche - passt das?

Demokratie und Kirche steht notwendig in einem unauflösbaren Spannungsverhältnis. Nicht das Volk herrscht oder die Volksmeinung. Denn stellen wir uns vor, 90 oder 95 % sind der Meinung, die Ehebrecherin solle gesteinigt werden - was würden wir tun? Wenn wir die Praxis Jesu ernst nehmen, gibt es nur eine Antwort - Nein, gegen des Volkes Willen! Denn die Norm für uns kann nur die Praxis Jesu sein; und seine Worte: „Das Gesetz ist für die Menschen da, nicht die Menschen für das Gesetz.“

Was wäre denn aber ein Modell für uns als Gemeinde Jesu? Faszinierend ist die Geschichte des Apostelkonzils, wie sie in der Apostelgeschichte aufgeschrieben wurde. 

 

Da gab es Streit über den richtigen Umgang mit Leuten, die nicht so richtig zum Volk Gottes gehören sollten. Nach langen Diskussionen gab es einen Konsens, der eingeleitet wurde mit den Worten: „Denn es gefällt dem Heiligen Geist und uns, …“

 

Nicht die Herrschaft der Einen über die Anderen, sondern das Bemühen um eine Einigung, mit der alle leben konnten, ist beispielgebend für die Gemeinde Jesu. Und auch, wenn dieser Konsens nicht gehalten hatte, weil beide Seiten am Ende dann doch nicht zufrieden waren, scheint mir das der richtige Weg zu sein.

 

Eins aber muss klar bleiben - jede Einigung muss sich an der Praxis Jesu messen lassen - bei denen zu stehen, die zu Opfern auch religiöser Überzeugungen werden.

 

Frank Martin

Ein großer Schritt für die Menschlichkeit – aber noch nicht das Ziel!

Nachdem der Bundestag endlich die Weichen gestellt hatte, dass die Diskriminierung gleichgeschlechtlich liebender Menschen beendet werden solle, war auf Twitter folgender Tweet zu lesen:

"Dieser Tag gehört denen, die ihr Leben lang im Geheimen liebten. Die vor dem Gesetz niemals Witwer waren. Nie zusammen beerdigt. #EhefürAlle"

Was das für viele Menschen bedeutet, malt sich die heterosexuelle Mehrheit – für die das alles schon immer selbstverständlich war – wahrscheinlich gar nicht aus.

Es ist ein Grund zur Freude für viele gleichgeschlechtlich liebende Menschen, dass sie jetzt die gleichen Rechte haben wie heterosexuelle Menschen auch.

 

Es ist aber auch ein Anlass, uns noch einmal an die Schuld zu erinnern, die wir als Mehrheitsgesellschaft – auch als Kirche und Christ*innen – auf uns geladen haben über Jahrhunderte und bis heute. Denn mit der rechtlichen Gleichstellung hören Beleidigungen und Übergriffe ja nicht auf – im Gegenteil: Gerade heute scheint Gewalt gegenüber Lesben und Schwulen wieder zuzunehmen.

 

Und auch in unserer Landeskirche besteht die Diskriminierung gleichgeschlechtlich liebender Menschen fort. Statt einer Trauung für alle wurde – immerhin – nur eine Segnungsagende für Lesben und Schwule beschlossen, die wieder als diskriminierend verstanden wird. Und das sollte uns klar sein: Was als diskriminierend empfunden wird, entscheiden nie die, die nicht betroffen sind.

 

So bleiben zwei Dinge: Zum ersten Glückwunsch an alle, die nach langen Jahren endlich in gleicher Weise wie heterosexuelle Paare Ja zueinander sagen können. Und wenn sie dies wollen – wir wünschen Gottes Segen dazu.

Zum zweiten aber ist das Engagement noch nicht zu ende, solange weiter Menschen diskriminiert werden – und das betrifft gleichgeschlechtlich liebende Menschen in gleicher Weise wie inter- oder transsexuelle Menschen.

 

Frank Martin

 

Die Ordnung, der Geist und die Frage nach den Türen

Marita Hausmann kommt immer zu spät. Sie kann nichts dafür. Es muss etwas mit ihren Genen zu tun haben. Sie kommt zu spät zum Sport, sie kommt zu spät zum Elternabend. Und natürlich kommt sie auch zu spät in den Gottesdienst. Neulich war es wieder so. Die Gemeinde war schon beim ersten Lied als die Kirchentür quietschte. Kein schlechter Moment übrigens, um zu spät zu kommen – das erste Lied.

Dachte sich Marita auch und huschte schnell in Reihe drei zu ihrer Freundin. Allerdings hatte sie vergessen, die Kirchentür wieder zu schließen. Solange noch gesungen wurde, blieb das unbemerkt. Aber als der Pfarrer die Stufen zum Altar emporstieg und sich umwandte, um den Psalm anzustimmen, sah er es. Und es irritierte ihn.

 

Die Gemeinde bemerkte die offene Tür erst während des Psalmgebets. Zuerst hörte sie nur, dass der Wind vernehmlich in der Linde rauschte, die seit Jahr und Tag vor der Kirche steht. Das ging ja noch. Aber dann setzte Kindergeschrei ein! „Danket dem Herrn“ sprach die Gemeinde eben als das Baby losbrüllte. Glücklicherweise währte das Schreien aber nur einen Augenblick lang. „Denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.“ fuhr die Gemeinde entsprechend dankbar fort. Doch war die Ruhe nur von kurzer Dauer. Denn vor der Kirche hatten sich zwei Frauen aus dem Dorf eingefunden und begannen, sich über die Legeleistung ihrer Hühner in der vergangenen Woche zu unterhalten.

Der Pfarrer hielt sich tapfer bis zum Ende des Psalm, dachte aber je länger je mehr: Kann nicht mal jemand die verdammte Tür zu machen?

 

Das Gloria Patri verlief wieder störungsarm, aber beim Kyrie passierte es dann. Der Krankenwagen fuhr vorbei und schaltete das Martinshorn an, genau beim „Herr erbarm dich über uns“. Beim Gloria fasste sich der Vorsitzende des Kirchenvorstands ein Herz, schlich zum Eingang und schloss die Tür.

 

Schade.

 

Denn das war doch wirklich einmal ein geistvoller Anfang.

Die Irritation der Anwesenden und eine gewisse Emotionalisierung des Geschehens sprechen jedenfalls dafür. Auch, dass etwas Unerwartetes geschah, etwas Ungeplantes.

Nichts Besseres kann der Liturgie passieren, als dass sie auf Alltag trifft, auf ganz normale Lebensgeräusche. Nichts Besseres kann passieren, als dass sich Kindergeschrei in den Psalm mischt und das Martinshorn beim Kyrie erklingt.

Ein geistvoller Anfang war das an diesem Sonntagmorgen in der Kirche.

 

Der Geist braucht Raum. So denke ich mir das. Wenn alles nach Plan verläuft oder strikt nach Ordnung, dann geht der Geist stiften. Aber wenn man ihn zulässt und nicht alles regelt oder zumindest nicht eingreift, wenn die Dinge anfangen aus dem Ruder zu laufen, dann nutzt er manchmal seine Chance, blitzt auf, ergreift Menschen, irritiert sie und stiftet heilige Momente.

 

So schon geschehen …

 

Einmal als der überaus fröhliche und laute Freddy in seinem Rollstuhl das Vater Unser laut und schnell juchzte und sich gar nicht um das Gebetstempo der Gemeinde scherte, die den Worten nur hinterhersehen konnte.

 

Als es den Kindern egal war, dass man in Sachsen erst ab der Grundschule, nach voriger Unterweisung und in Begleitung eines Erwachsenen am Abendmahl teilnehmen darf. Sie standen da im Altarraum und sperrten die Schnäbel auf, waren natürlich überhaupt nicht still und würdevoll, sondern hippelten und schwatzen. Kein Vater war in Sicht. Keine Mutter. Keine Patentante. Aber die anderen Erwachsenen lächelten und freuten sich an der Lebendigkeit, die auf einmal die Runde erfasste

 

Geschehen lassen, was geschehen soll. Unordnung wagen. In der Störung den Gottesgeist entdecken. Im Martinshorn das Kyrie. Im Kindergeschrei das Gotteslob. Kirche pfingstlich.

Kathrin Mette

 

Manchmal

 

Manchmal ist mein Gebet
so wie ein Arm,
den ich nach oben recke,
um dir zu zeigen,
wo ich bin,
inmitten von Milliarden Menschen.

 

Manchmal ist mein Gebet
so wie ein Ohr,
das auf ein Echo wartet,
auf ein leises Wort,
auf einen Ruf
aus deinem Mund.

 

Manchmal ist mein Gebet
wie eine Lunge,
die sich dehnt,
um frischen Wind
in mich hineinzuholen -
deinen Hauch.

 

Manchmal ist mein Gebet
wie eine Hand,
die ich vor meine Augen lege,
um alles abzuschirmen,
was mir den Blick zu dir verstellt.

 

Manchmal ist mein Gebet
so wie ein Fuß,
der fremden Boden prüft,
ob er noch trägt,
und einen Weg sucht,
den ich gehen kann.

 

Manchmal ist mein Gebet
so wie ein Herz,
das schlägt,
weil ohne seinen Schlag
das Leben nicht mehr weitergeht.

 

Manchmal ist mein Gebet
nur ein gebeugter Kopf vor dir -
zum Zeichen meiner Not
und meines Dankes an dich.

 

Einmal wird mein Gebet
so wie ein Auge sein,
das dich erblickt,
wie eine Hand,
die du ergreifst -
das Ende aller Worte.
Paul Roth

 

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Hoffnung für das schlingernde Schiff

"Die Zivilisation ist ein Schiff, das ohne Pläne gebaut wurde und führerlos dahinschlingert. Es fehlt ihr an spiritueller Verbundenheit, mit deren Hilfe sie bewusst einen Kurs hätte wählen können, der eben nicht in die Katastrophe mündet. Stattdessen lässt man sich von den Strömungen zufälliger Entdeckungen treiben und vertraut blindlings den Angeboten, die kurzfristig größtmöglichen Profit versprechen.

Wir haben uns auf ein Spiel mit der Natur eingelassen und dabei eine Partie nach der anderen gewonnen. Aber wir lassen uns derart in die Konsequenzen unserer Siege verwickeln, dass statt einer vernünftigen Strategie nur vordergründige Taktik betrieben wird." Diese Worte stammen von dem Science-Fiction-Autor und Philosophen Stanislaw Lem, dessen Todestag sich vor einigen Tagen zum 11. Mal jährte. Ich habe ihn immer als einen klugen Denker und Visionär bewundert. Seine Worte sind bemerkenswert aktuell. Fast täglich berichten die Medien von Terroranschlägen. Immer wieder versuchen Menschen, ihre Fremdenfeindlichkeit und ihren Wunsch nach Ausgrenzung anders Denkender damit zu begründen. Parallel erreichen uns Menschen aus Krisengebieten der Welt, die bei uns und in anderen Ländern Zuflucht suchen. Auch ihnen begegnet man zum Teil mit großer Skepsis oder gar mit Hass. Dabei stellt sich doch die Frage, warum nur wir hier in den reichen Teilen Europas in den Genuss eines freien und selbstbestimmten Lebens kommen sollen? Ist es etwa unser Verdienst, in diesem Land geboren zu sein, oder nicht vielmehr ein purer Zufall, reines Glück? Sollte aber dieses Glück nicht jedem Menschen auf dieser Welt zustehen? Angesichts dessen sollten sich die Staatsoberhäupter dieser Welt doch eigentlich zusammensetzen und überlegen, welche Maßnahmen man ergreifen könnte, um die Lebensbedingungen der Menschen global zu verbessern oder anzugleichen, und welche Zeichen man setzen könnte, um den Menschen in den Krisengebieten vor Ort zu zeigen, dass sie gehört und bedacht werden. Stattdessen scheint es unter den Regierungen eine Renaissance der Rücksichtslosigkeit und des Egoismus zu geben, wenn zum Beispiel ein Land für sich beansprucht, ab jetzt das Erste zu sein, oder andere Oberhäupter den Fortbestand der Demokratie in Frage stellen, weil sie für sich selbst beanspruchen, der Einzige zu sein. Und nicht zuletzt stehen dem vielleicht auch wirtschaftliche Interessen im Wege, weil sich eben Umsatz und Gewinn nur dann wie gewünscht steigern lassen, wenn andere mit ihrem Leben dafür bezahlen. Und wir selbst? Sind Sie und ich nicht auch damit beschäftigt, unseren Wohlstand zu wahren oder gar zu mehren. Und geht es uns nicht oft darum, unser Leben noch angenehmer, gleichberechtigter oder vielfältiger zu machen? Mit gutem Recht, denn so geht Fortschritt. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass viele andere Menschen auf diesem Planeten von einem Leben wie dem unseren nur träumen können, und dass wir uns mit gleicher Kraft nicht nur für das unsere, sondern auch für das ihre einsetzen müssen. Ich hoffe, dass Glaube etwas sein kann, das die dafür notwendige spirituelle Verbundenheit zwischen den Menschen herstellt, und auf diese Weise hilft, den gesellschaftlichen Paradigmenwechsel zu vollziehen, der für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen auf der Erde notwendig ist.

 
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Gedanken zum Monatsspruch

Morgens halb Zehn in Deutschland: Dichtes Gedrängel in der Straßenbahn. Eine Schulklasse auf Exkursion. An der Haltestelle steigt eine Frau ein. Graue Schuhe, grauer Mantel, graues Haar. Sie blickt sich um: Alle Plätze besetzt. Unsicher schaut sie die Jugendlichen an. Doch die sind mit sich beschäftigt. Sie sagt nichts. Sie bleibt stehen, nahe an der Tür. „Hoffentlich bremst die Bahn nicht ruckartig“, denkt sie.

 

Morgens halb Zehn in Deutschland: Dichtes Gedrängel im Regionalexpress. Senioren in Vorfreude auf ihre Nordic-Walking-Tour durch die Sächsische Schweiz. Am Bahnhof steigt eine junge Frau mit Kinderwagen ein, ein weiteres Kind an der Hand, die Reisetasche über der Schulter. „Eine helfende Hand wäre jetzt gut“, denkt sie.

 

„Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr.“ (Lev 19,32)

 

Manchmal ist die Bibel wunderbar konkret. Und doch reicht der bloße Wortlaut nicht aus. Das wäre nur die halbe Wahrheit. Am Alter liegt es nicht, ob jemand sich über Hilfe freut. Wie also die unausgesprochene Bitte hören?

 

Gott fürchten, empfiehlt die Bibel. Gott fürchten? Gott, der Despot, der mir auf die Finger schaut und Strichliste führt? Nein! Gott fürchten heißt Gott im Nächsten zu sehen.

 

Um Gott im Nächsten zu sehen, Gott im Gegenüber zu entdecken, muss man aber hinschauen, hinhören, sensibel sein für das eigene Umfeld. Gott fürchten – das ist eine Form des Bewusstseins: Das Gegenüber bewusst wahrnehmen und ernstnehmen. Dessen Not erkennen und helfen.

 

Morgens halb Zehn in Deutschland: Dichtes Gedrängel an der Supermarktkasse. „Sie haben doch nur die drei Sachen, gehen Sie vor“, sagt der schmächtige Mann mit schütterem Haar zu mir: „Ach wie schön“, denke ich und lächle ihn an: „Danke.“ – „Ach tut das gut, Freude zu schenken,“ denkt er, „ein guter Start in den Tag.“

 

Mandy Rabe

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Morgenpsalm

Jeden Morgen
gießt du
von Neuem
Sonne
Deiner Welt
ins Angesicht.
Sagst:
Du, meine Schöpfung!

Jeden Morgen
Weckst du
Von Neuem
Leben
Deinen Städten
Auf die Straßen
Sagst:
Ihr, meine Wohnung!

 

Jeden Morgen
Gibst du
Von Neuem
Stimme
Deinen Spatzen
In die Kehle
Sagst:
Ihr, meine Lieder!

 

Jeden Morgen
Streust du
Von Neuem
Hoffnung
Allen Wesen
Auf die Wege
Sagst:
Ihr, meine Schönheit!

 

Jeden Morgen
Küsst du
Von Neuem
Farbe
Deinen Blumen
In die Kelche.
Sagst:
Ihr, meine Wunder!

 

Jeden Morgen
Hauchst du
Von Neuem
Atem
Deinen Menschen
In die Herzen
Sagst:
Ihr, meine Bilder!

 

Arno Schmitt, in: Wer von der Liebe singt, der kann vom Kreuz nicht schweigen, Gütersloh 2012, S. 217f.


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Wir müssen reden

In unserer sächsischen Kirche gibt es Gesprächsbedarf. Das merken wir an vielen Stellen. In der Landessynode, in Kirchenvorständen und den verschiedenen evangelischen Medien wird immer wieder engagiert über verschiedene Themen debattiert: über die Bedeutung der Bibel, über die Strukturreform unserer Landeskirche, über die theologische Bewertung von homosexueller Liebe. Allerdings scheinen sich die verschiedenen Positionen in diesen Debatten oft nur schroff gegenüberzustehen. Es ist wenig Bemühen erkennbar, den Standpunkt des anderen nachzuvollziehen. Im Gegenteil: Wer anders denkt als man selbst, wird schnell in eine Schublade gesteckt und religiös abqualifiziert. Fruchtbar sind solche Auseinandersetzungen nicht.

Auf der Website des „Forums für Gemeinschaft und Theologie“ möchten wir regelmäßig ein moderiertes Schreibgespräch initiieren, in dem Christinnen und Christen mit unterschiedlichen Blickwinkeln und unterschiedlichen theologischen Überzeugungen zusammen über ein Thema nachdenken, eventuell gemeinsame Anliegen entdecken aber natürlich auch lebhaft streiten können, klar in der Sache, respektvoll im Ton.

 

Wir erwarten uns von diesen Schreibgesprächen, dass die Standpunkte der Diskutierenden plastisch und nachvollziehbar werden. Wir wünschen uns, dass diese Gespräche zugleich einen Beitrag zur theologischen Bildung all derer leisten, die die Diskussion am Bildschirm verfolgen. Wir erhoffen uns, dass die Gespräche helfen, sich eine eigene Meinung zum Diskussionsgegenstand zu bilden.

 

Drei bis vier Leute sollen drei Wochen online nach bestimmten Spielregeln diskutieren. Die Beiträge werden der Administratorin der Website geschickt, die diese dann publiziert. Das „Forum“ stellt eine Moderatorin oder einen Moderator zur Verfügung, der das Gespräch flüssig hält, thematische Impulse setzt und dafür Sorge trägt, dass alle gleichermaßen zu Wort kommen.

 

Eine Öffnung der Diskussion für Besucherinnen und Besucher der Website ist vorgesehen.

 

Das Thema für das erste Gespräch lautet: „Mission“. Es wird voraussichtlich im Zeitraum vom 27.02. bis 19.03. 2017 diskutiert werden.

Näheres dazu in Kürze.

 

Kathrin Mette

 

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200 Millionen verfolgte Christen? „Open Doors“ schlägt wieder zu

Ein Gastbeitrag von Fabian M.

 

Einmal im Jahr veröffentlicht die christliche Hilfsorganisation „Open Doors“ ihren Weltverfolgungsindex. Der will aufzeigen, wie viele Christen weltweit verfolgt werden. Nun ist der aktuelle Report für das Jahr 2017 erschienen. Und der tritt mit einem Paukenschlag auf. War bislang immer die Rede von rund 100 Millionen verfolgten Christen, heißt es im diesjährigen Bericht: „Die Zahl der Christen, die einem hohen Maß an Verfolgung ausgesetzt sind, liegt weltweit bei über 200 Millionen.“ Aufgehorcht: Eine Verdopplung - innerhalb eines Jahres?

Die Zahl dürfte für ordentlich Diskussionsstoff sorgen, zumal sich die Großkirchen und andere evangelische Hilfswerke bereits zu der in der Vergangenheit genannten Zahl kritisch geäußert haben. Und diese Kritik ist auch diesmal angebracht. Wer sich den Bericht anschaut, wird feststellen: Open Doors versäumt es, stichhaltige und transparente Begründungen darzulegen, warum nun plötzlich die Zahl verfolgter Christen so sprunghaft ansteigt. Da ist nur die Rede von „politischen Entwicklungen“, dem „Erstarken islamistischer Organisationen“ und ein „deutlich wachsender religiöser Nationalismus in den hinduistischen, buddhistischen und islamischen Ländern Asiens“.

Entwicklungen, die alle erst im vergangenen Jahr stattgefunden haben? Wohl kaum. Es verwundert doch etwas, dass vor neun Jahren die Zahl auf rund 100 Millionen festgelegt wurde und nun einfach mal so hopplahopp verdoppelt wird. Das wirkt, vorsichtig formuliert, nicht besonders seriös. Es ist völlig schleierhaft, wie Open Doors auf diese Zahlen kommt, und in dem Bericht wird das auch nicht detailliert erläutert. Das irritiert nicht nur mich, sondern offenbar auch den Generalsekretär des evangelischen Gustav-Adolf-Werks, Enno Haaks, der dem epd gegenüber sagt, er habe die neuen Zahlen „mit Verwunderung zur Kenntnis genommen“. Und weiter: „Mir ist nicht klar, wie die Zahlen zusammenkommen.“ Die Kritik an den Open-Doors-Zahlen ist nicht neu, aber sollte angesichts der angeblichen Verdopplung der weltweit verfolgten Christen erneut betont werden.

 

Die am meisten verfolgte Glaubensgruppe?

Aber gut. Das ist nicht das einzige Problem, das „Open Doors“ mit seinem Weltverfolgungsindex hat. Beharrlich spricht die Organisation von Christen als der „am stärksten verfolgten Glaubensgruppe weltweit“. Woher man diese Erkenntnis nimmt, ist schleierhaft - schließlich erhebt die Organisation ausschließlich die Situation von Christen. Zum einen fehlen also Vergleichspunkte, zum anderen können kleinere Religionsgemeinschaften wie zum Beispiel Bahai oder Jesiden niemals auf solche Zahlen kommen, schlicht, weil sie weniger Anhänger haben. Werden sie also nur deswegen nicht so stark verfolgt, weil sie weniger sind? Absurd.

Kritisiert werden muss auch der weite Begriff von „Verfolgung“, den Open Doors für seine Erhebung anwendet:

Die WVI-Methodik folgt eher einer theologischen als einer soziologischen oder juristischen Definition. Nach diesem Ansatz ist Verfolgung definiert als „jegliche Art von erlebter Anfeindung aufgrund der Identifikation einer Person mit Christus. Dies kann feindselige Haltungen, Worte und Handlungen gegenüber Christen umfassen.“

WVI 2017- Bericht, S. 306

Erlebte Anfeindung? Feindselige Worte? Freilich, schön ist das nicht. Aber daraus gleich „Verfolgung“ zu machen, ist zumindest bedenklich und deckt sich auch nicht mit Definitionen, die etwa von der EU verwendet werden. Nach diesem Verständnis werden auch in Deutschland Hunderttausende Muslime aufgrund ihres Glaubens „verfolgt“. Ob die Organisation dem auch zustimmen würde? Oder ich werde verfolgt, wenn ich mich als Darts-Fan oute und dafür spöttische Kommentare hinnehmen muss. (Oh, ja, schießt los!) Will sagen: Der Open-Doors Begriff ist so subjektiv geprägt und damit beliebig, dass es für eine vernünftige Erhebung nicht taugt.

In diesem Zusammenhang ist es auch mehr als irritierend, wenn, wie GAW-Generalsekretär Haaks ganz richtig feststellt, Länder wie Mexiko und Kolumbien auf dem Index auftauchen (Platz 41 und Platz 50). Mexiko ist ein katholisches Land  mit 83 Prozent Katholiken, 8 Prozent Protestanten - damit gehören formal mehr als 90 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Kirche an. Noch deutlicher ist die Lage in Kolumbien, dort gehören bis auf wenige Prozent alle einer christlichen Kirche an. Christenverfolgung? Hier muss doch ernsthaft hinterfragt werden, ob hier Christen tatsächlich wegen ihres Glaubens verfolgt werden, oder nicht vielmehr unter den kriminellen Strukturen in diesen Ländern leiden.

 

Ein Fazit in drei Punkten

  1. Ich betone: Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Christen in vielen Ländern aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden. Auch und gerade, wenn diese Zahl steigt. Open Doors schafft dafür eine Öffentlichkeit. Leider vertut das Hilfswerk die Chance, dabei seriös zu bleiben. Die Zahlen, die Open Doors nennt, sind alles andere als seriös, weil sie nicht nachvollziehbar und reine Schätzungen sind. Kritik daran gibt es seit Jahren. Die Organisation tut sich keinen Gefallen damit, ihre Berichte an solchen unseriösen Schätzungen aufzuhängen und diese Zahl nun sogar zu verdoppeln. Das ist einfach nicht ernstzunehmen.
  2. Superlative wie „die am meisten verfolgte Glaubensgruppe“ erweisen der guten Sache, auf Verfolgung hinzuweisen, einen Bärendienst. Zumal sie in der dargebrachten Form absurd und ebenfalls nicht nachvollziehbar sind. Was mich persönlich auch stört, ist die Fixierung auf Christen. Gut, Open Doors ist ein evangelikales Hilfswerk - geschenkt. Aber gerade dieser Superlativ impliziert doch: „Schaut her, uns Christen geht es am schlechtesten.“ Angebrachter wäre es, darauf hinzuweisen, dass weltweit hunderte Millionen Menschen (das ist eine unseriöse Schätzung meinerseits) aufgrund ihres Glaubens oder der Zugehörigkeit zu einer Minderheit verfolgt werden. Dass eine Erstarkung des Islamischen Staates etwa für Millionen Muslime eine ebenso große Verfolgung (wenn nicht größere) wie für Christen bedeutet, wird durch die einseitige Open-Doors-Sichtweise nämlich unter den Tisch gekehrt. Menschen werden verfolgt, weltweit, warum auch immer - das sollte uns Christen aufschreien lassen!
  3. Was ist „Verfolgung“? Die Definition, die Open Doors anwendet, taugt nicht dazu, von anderen Menschenrechtsverletzungen zu differenzieren. Die „theologische Definition“, die Open Doors anwendet, ist enorm subjektiv. Damit wird der Begriff diffus, weil nicht mehr klar ersichtlich ist, ob jemand tatsächlich aufgrund seines Glaubens „verfolgt“ wird. Ohne ein Experte dafür zu sein, scheint mir der Vorschlag des GAW-Generalsekretärs Haaks hier wesentlich sinnvoller. Er verweist für eine tragkräftigere Abgrenzung von „Verfolgung“ auf die Genfer Flüchtlingskonvention. (Die EU-Richtlinie 2004/83/EG, Artikel 9 stützt sich etwa darauf.) Doch dann müsste Open Doors seine Schätzungen vermutlich deutlich nach unten korrigieren.

 

 

Das "Forum" dankt Fabian Maysenhölder für die Erlaubnis, diesen Beitrag auf unserer Website zu veröffentlichen.

Mehr von diesem Autor gibt es in seinem Blog für Religion, Medien und Popkultur theopop.de zu lesen.

 

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Schönes neues Jahr

Das neue Jahr ist erst ein paar Tage alt und schon stellt sich jener liebenswerteTrott ein, in dem wir nun Woche um Woche bestreiten und aus dem wir mutmaßlich spätestens Mitte März kurz aufschrecken werden: Was schon wieder Frühlingsanfang? Dabei hat das Neue Jahr doch gerade erst begonnen.

Aber bevor es endgültig so weit ist, wollen wir noch ein paar Hoffnungen festhalten, die wir für unsere Kirche im Jahr 2017 haben.

 

Wir hoffen:

  • ... "dass in der sächsischen Kirchenlandschaft die Erlaubnis zur Segnung gleichgeschlechtlier Paare im friedlichen Miteinander realisiert wird"
  • ... "dass viele Gemeinden, in denen eine Pfarrerin arbeitet, dem Aufruf der Sächsischen Bekenntnisinitiative folgen und sich um Partnerschaften mit lettischen Gemeinden bemühen"
  • ... "dass die Sächsische Landeskirche das Jahr 2017 mit dem Reformationsgedenken nutzt, zu überlegen, wie Reformation heute neu zu denken und zu gestalten ist. Dazu gehören für mich viele fröhliche Pfarrerinnen (!) in den Gemeinden und auch in der Leitung unserer Kirche. Dazu gehört für mich eine Weiterentwicklung des Abendmahlsverständnisses, als eine Mahl der Gemeinschaft aller Glaubenden mit dem „Brot des Lebens“ und dem versöhnenden „Kelch des Heils“. Dazu gehören für mich fröhliche Feste des Glaubens zu den Kirchentagen, in den Gemeinden, und auch am 31.Oktober z.B. mitten in Dresden. Es gehört für mich eine gelebte Ökumene dazu, die aber unsere eigenes Selbstverständnis und unsere protestantische Identität nicht auf der Strecke bleiben lässt, sondern selbstbewusst mit einbringt. Es gehören viele wertschätzende Diskussionen um unseren Glauben und um unser Leben als politische Menschen in unserem Gemeinwesen dazu. Und dass wir uns dort immer wieder einbringen, mit dem, was wir gestalten wollen."
  • ... "dass in Sachsen Regionen geschaffen werden, in denen die Christinnen und Christen die Möglichkeit haben, Gemeindearbeit jenseits der alten Gleise und angepasst an die tatsächlichen Verhältnisse und Bedürfnissevor Ort zu konzipieren und auszuprobieren."
  • ... "dass Menschen in unserer Kirche in denen, die jeweils "fremd" sind, Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen hören und sehen."
  • ... "dass wir einander annehmen, wie wir sind, und uns verändern lassen vom "wir", von der Gemeinschaft der Ebenbilder Gottes zu der wir gehören, von der Geistkraft, die darin wirkt."
  • ... "dass in unserer Kirche Menschen einander zuhören, wenn jemand den eigenen Glauben beschreibt, ein Glaubensbekenntnis formuliert, um zu verstehen, was der oder die andere sieht. Das gemeinsame Bekenntnis begegnet als wärmender Mantel, nicht als abschnürendes Korsett."
  • ... "dass Freiheit in Kirche, Politik und Gesellschaft geschätzt und verantwortlich gestaltet wird."

 

In diesem Sinn wünschen die Initiatorinnen und Initiatoren des Forums für Gemeinschaft und Theologie unserer Kirche ein gutes neues Jahr!

 

 

 

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Aus der Reihe der Buchstaben heraus

Maria klettert aus der Reihe der Buchstaben des dicken Buches heraus, zieht sich das Kleid zurecht und geht wie jeden Abend in das kleine Hotel am Bahnhof. Sie wird dort zwischen zwei milchig gelben Lampen hinter der Rezeption sitzen und verliebte Paare, Betrunkene und Geschäftsleute empfangen. Bis morgens um sechs.
Es kommt ein kleiner Junge allein ins Foyer.

Der wohnte schon letzte Woche mit seiner Familie hier - Flüchtlinge aus Afghanistan. Er reicht kaum über den Tresen und spricht nicht. Bescheiden, aber bestimmt tritt er heran und legt einen Euro auf den Tisch. Maria schaut in seine tiefschwarzen Augen, und sie sieht auf einmal etwas - als schaue ein uraltes Wesen aus ihm heraus. Sie erschrickt ein wenig. Beide schauen für eine Ewigkeit ineinander hinein. "Was möchtest du?" - Der Junge zeigt am Tresen vorbei in Richtung Speiseraum. Er geht ein paar Schritte um den Tresen herum. "Willst du da hin? Hast du was vergessen?" Er stellt sich vor die verschlossene Tür. Sie öffnet, und er tritt vor ihr ein. Sie macht Licht. Er geht in die Ecke am Fenster. Dort bleibt er stehen vor einem Holzengel, der an einer schmalen Kette von der Decke hängt. Schaut ihn an. Maria bleibt in der Tür stehen. Ihr kommen Tränen. Sie weiß nicht, warum.
So steht er dort und schaut empor. Nach einer Zeit beginnt er eine Melodie zu singen. Das erste Mal, dass sie seine Stimme hört, tief kehlig. Nicht Kind, nicht Erwachsener - ein Drittes. Stille. Dann spricht er etwas. Es klingt wie eine Litanei, etwas Auswendiges. Dann ein paar Namen.
Er rückt sich einen Stuhl zurecht, steigt drauf und tippt ganz fein gegen den Engel. Der beginnt leis zu schwingen. Stellt den Stuhl zurück und geht rückwärts aus dem Raum, wendet sich an der Tür um zu Maria. Sieht sie weinen. Er geht ein paar Schritte zurück, nimmt Anlauf und wirft sich mit ausgebreiteten Armen aus vollem Lauf gegen sie, sein Kopf liegt vor ihrem Bauch. Sie hält ihn. Er sie. So stehen Sie nun bis in Ewigkeit.
Am anderen Morgen kehrt Maria zurück aus der Rezeption in ihr altes Buch. Nimmt darin Platz in ihrer Kammer, wo sie den Engel treffen wird, der ihr sagt, was Gott mit ihr vorhat.

 

Thomas Hirsch-Hüffel

 

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Kirche mit Hoffnung und Zukunft

Nach einem Jahr gemeinsamen Arbeitens, nach dem Aufbau der Website, einer ganzen Reihe von Onlinedebatten, nach Erfahrungen mit Twitter und Facebook und vor allem nach dem (im Rückblick immer noch beglückenden) ersten Forumstag haben wir uns als Initiativkreis Mitte November in Schmannewitz getroffen und uns einen Tag lang Zeit genommen, um innezuhalten und zu überlegen, wo wir momentan stehen und wie es mit dem Forum weitergehen soll.

Was haben wir gemacht?
Wir haben uns darüber ausgetauscht, aus welchen Kraftquellen wir bei unserem Engagement für das Forum schöpfen.

Wir haben uns erzählt, wie wir das „Forum“ sehen, was es für uns im Moment ist. „Ort der Zuversicht und Veränderung“, „ein Dienst an Menschen, die in unserer Kirche am Rand stehen“, „ein Raum für Verständigung“, „wirksame Öffentlichkeit“ – in diesem Spektrum bewegten sich die Antworten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Schmannewitzer Treffens. Sie offenbarten zugleich, dass die Forumsarbeit durch verschiedene (und manchmal auch miteinander im Konflikt stehende) Intentionen geprägt ist. So konnten wir das Forum zwischen den Begriffen „Auseinandersetzung“, „Position“ und „Beziehung“ neu verorten. Ein Schwerpunkt der künftigen Arbeit wird auf dem Beziehungsaspekt liegen. Wir wollen versuchen, „ekklesiologische Ideenwerkstatt“ zu sein.
Den größten Teil des Tages waren wir damit beschäftigt, uns darüber zu verständigen, wie es mit dem Forum weitergehen soll. Welche Impulse wollen wir setzen? Welche Menschen wollen wir zusammenbringen? Welche Themen stehen an? Und in welchem Format lassen sich diese Themen am besten aufgreifen?
Am Ende des Tages hatten wir fünf konkrete Aufgabenfelder identifiziert:

  • Forumstag: Im nächsten Jahr wird es einen weiteren Forumstag geben: am 26. August. Wo der Tag stattfinden wird, ist noch offen. Nachdem sich unsere erste Idee, den Forumstag ins Erzgebirge zu bringen, nicht realisieren lässt, halten wir im Moment in Dresden Ausschau nach einem geeigneten Veranstaltungsort.
  • r2017: Das Forum für „Gemeinschaft und Theologie“ wird beim Leipziger „Kirchentag auf dem Weg“ vom 25.-27. Mai in Leipzig präsent sein und zwar voraussichtlich in der Kongresshalle am Leipziger Zoo unter der Überschrift: „Streitfragen 2017“.
  • Quartalsthemen: Künftig wollen wir je Quartal ein ganz bestimmtes Thema setzen, beleuchten und diskutieren, gern auch unter Einbeziehung der evangelikalen Perspektive. Der Rhythmus der Themen wird auch die unten folgenden Aufgabenfelder durchziehen und strukturieren. Losgehen soll es im ersten Quartal 2017 mit dem Thema „Mission“.
  • Website: Unsere Website soll umgestaltet werden. Nach einer Phase, in der vor allem die Publikation von Texten im Vordergrund stand und sich auf der Website einige mal mehr mal weniger fruchtbringende Diskussionen entwickelten, soll die Seite in Kürze eine dreigeteilte Struktur haben. Das Quartalsthema wird die Seite thematisch stärker fokussieren. Zweitens möchte die Website einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen, die mit den Anliegen des Forums sympathisieren, in den einzelnen Regionen unserer Landeskirche zueinander finden. Drittens will unsere Homepage nach wie vor Positionen vorstellen und Weiterbildungsangebote machen.
  • Tischgemeinschaften: Wir wollen anregen, dass sich Christinnen und Christen in den verschiedenen Regionen unserer Landeskirche (in Anlehnung an die frühchristliche Tradition) zu Tischgemeinschaften zusammenfinden. Eine Person öffnet die Wohnungstür und lädt Gäste an den Tisch. Man isst und trinkt miteinander und kommt dabei ins Gespräch über Gott und die Welt (oder auch andere Themen). Das Quartalsthema und die auf der Webseite dazu gesammelten Materialien, bieten Impulse für das Gespräch bei Tisch.

Kurz: Es war ein intensives und weiterführendes Treffen.
Wir sind dankbar für alles Feedback, Mitdenken, Weiterdenken, Unterstützen, das uns bisher erreichte und freuen uns auf weitere Begegnungen auf dem Forum!

 

Kathrin Mette

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Feiern wir den Tag der Menschenrechte gemeinsam - wann, wenn nicht jetzt?

Am 10.12. 2016 begehen wir, wie jedes Jahr, den Tag der Menschenrechte. An diesem Tag wird der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ vom 10. Dezember 1948 gedacht. In ihr heißt es: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Ein Satz der in Erinnerungen gerufen werden muss – gesellschaftlich – religiös - und besonders auch in der christlichen Kirche.

 

 

Der Vorsitzende des Rates der EKD Heinrich Bedford-Strohm gab im Zuge der Präsidentschaftswahl von Donald Trump folgendes Statement ab: „Ich glaube die Zeit des Spaltens ist nun vorbei. Wir müssen zusammenführen, wir müssen mithelfen, dass die klaren Grundorientierungen, für die wir als Christen stehen, in die öffentliche Debatte hineinkommen, im Dialog mit allen Menschen diskutiert werden können [...]. Und wir müssen dafür sorgen, gerade auch als Kirchen, dass die Rolle, die Deutschland, die Europa spielt, so ist, dass in der Welt insgesamt für die Schwachen eingestanden wird. Dass Werte wie Nächstenliebe und Empathie auch in die politischen Zusammenhänge hineinstrahlen, und dass vor allem alle Spaltertendenzen, die wir gegenwärtig erleben, alle Polarisierungen, alles Schüren von Hass, endlich ein Ende hat und auch die Politik in dieser Hinsicht endlich zur Vernunft kommt.“

 

Die klare Grundorientierung, für die wir als Christen stehen, bleibt für mich momentan freilich mancherorts etwas schleierhaft– verschiedene Gruppen kommen zu unterschiedlichen Wahrheiten, mitunter zu unterschiedlichen Werten. Die „Schwachen“ werden unterschiedlich identifiziert und zuweilen diskreditiert. Wir streiten – das ist auch nötig. Dennoch, es wäre gut und notwendig, zu zeigen, dass Kirche, die sich in der Nachfolge Christi bewegt, immer Kirche sein muss, die für andere da ist, sonst ist sie keine Kirche (Dietrich Bonhoeffer). Unsere Aufgabe ist es, über alle theologischen Unstimmigkeiten hinweg für Menschenrechte einzutreten. Unsere Nächstenliebe und Empathie gilt allen Menschen. Diskriminierung, Gewalt und das unablässige Schüren von Ängsten sind nicht vereinbar mit christlichen Werten. Christus ist unser Vorbild – allem Streit der Menschen um Auslegung der Schrift zum Trotz hat er stets für den Menschen gestritten, ist für ihn eingetreten und letztlich für ihn gestorben, für jeden Einzelnen von uns.

 

So gibt die EKD seit Jahren eine gottesdienstliche Empfehlung für den Tag der Menschenrechte heraus und befasst sich thematisch mit einem Schwerpunktthema von Menschenrechten. Dieses Jahr unter dem Thema „Hier ist nicht Mann noch Frau“ - Recht auf Gleichbehandlung ungeachtet sexueller Orientierung und Identität.

 

In ihrem Materialheft finden sich nicht nur Fakten zur gegenwärtigen Situation der Ausgrenzung und der Lebensgefahr, unter der viele Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Identität weltweit stehen, sondern auch Anregungen für die inhaltliche Gestaltung eines Gottesdienstes am 10.12.2016.

 

Unsere Bundeskanzlerin erinnerte heute in ihrer Rede, in der sie Donald Trump zum Wahlsieg gratulierte, an die demokratischen Werte, die die Basis unseres Lebens und Handelns bilden: Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung.“

 

Dieser Werte gilt es sich zu erinnern, gerade auch als Christen.

Eine herzliche Einladung in Ihren Gemeinden einen Gottesdienst zu veranstalten zu diesem so wichtigen Tag am 10.12.2016.

 

„Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ (Gal 3,28)

 

 

 

Jennifer Scherf

 

 

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Als sei die Art, wie wir lieben, für andere bedeutungsvoller als für uns selbst

Vor wenigen Tagen hat die Journalistin und Philosophin Carolin Emcke den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen. In ihrer Rede plädierte sie dafür, jeden einzelnen Menschen in seiner Einzigartigkeit zu respektieren und zu schützen, auch wenn er  in bestimmten Punkten von dem abweicht, was die meisten Menschen als "normal" empfinden. Carolin Emcke ist selber homosexuell. Sie schreibt:

Homosexualität "ist nichts, das man sich aussucht, aber es ist, hätte ich die Wahl,...

... das, was ich mir wieder aussuchte zu sein. Nicht, weil es besser wäre, sondern schlicht, weil es mich glücklich gemacht hat. Als ich mich das erste Mal in eine Frau verliebte, ahnte ich - ehrlich gesagt - nicht, dass damit eine Zugehörigkeit verbunden wäre. Ich glaubte noch, wie und wen ich liebe, sei eine individuelle Frage, eine, die vor allem mein Leben auszeichnete und für andere, Fremde oder gar den Staat, nicht von Belang.

Jemanden zu lieben und zu begehren, das schien mir vornehmlich eine Handlung oder Praxis zu sein, keine Identität. Es ist eine ausgesprochen merkwürdige Erfahrung, dass etwas so Persönliches für andere so wichtig sein soll, dass sie für sich beanspruchen, in unsere Leben einzugreifen und uns Rechte oder Würde absprechen wollen. Als sei die Art, wie wir lieben, für andere bedeutungsvoller als für uns selbst, als gehörten unsere Liebe und unsere Körper nicht uns, sondern denen, die sie ablehnen oder pathologisieren. Das birgt eine gewisse Ironie: Als definierte unsere Sexualität weniger unsere Zugehörigkeit als ihre."

 

Zur Website von Carolin Emcke geht es hier

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Segnung von Paaren in Eingetragener Lebenspartnerschaft in Sachsen möglich

DRESDEN – Die Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche hat auf ihrer Sitzung am 17. Oktober in Dresden beschlossen, dass Segnungen von Paaren in Eingetragener Lebenspartnerschaft im Einzelfall auch im Gottesdienst möglich sind, sofern Pfarrerinnen und Pfarrer sich hierzu bereit erklären. Die Verantwortung dafür liegt bei den Pfarrerinnen und Pfarrern.

Sie haben jedoch im Vorfeld die Beratung im Kirchenvorstand zu suchen. Wird eine Segenshandlung von Pfarrerinnen und Pfarrern verantwortet, ist sie ab Anfang nächsten Jahres nach der liturgischen

Handreichung zur „Segnung von Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft“ zu vollziehen. Diese gottesdienstliche Segenshandlung versteht sich nicht als Trauung, sondern als Segnung von Paaren in Eingetragener Lebenspartnerschaft, die damit ihren Willen zum Ausdruck bringen, eine Partnerschaft in

Verlässlichkeit, in verbindlicher Treue und Verantwortung füreinander zu begründen. Zumindest eine der Partnerinnen oder einer der Partner muss einer der Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehören. Die Segnung wird in einem eigenen Register der Kirchgemeinde aktenkundig gemacht. Die Handreichung wurde durch eine sechsköpfige Arbeitsgruppe der Kirchenleitung erarbeitet, die seit Oktober letzten Jahres die theologischen, rechtlichen und kirchenpolitischen Voraussetzungen für eine Segnung von Paaren in Eingetragener Lebenspartnerschaft zu prüfen hatte. In der Einleitung des Berichtes wird festgestellt, dass

gegenwärtig ein gesamtkirchlicher Konsens hinsichtlich der Segnung Eingetragener Partnerschaften als öffentliche Kasualhandlung nicht möglich ist. Den unterschiedlichen Auffassungen wird aber gemäß dem Ergebnis des Gesprächsprozesses zum Schriftverständnis durch die Freigabe des Gewissens Raum gegeben und Schutz

gewährt.

 

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Worte aus Dresden

Menschen, die im Christentum, im Judentum, im Islam, im Buddhismus, bei den Sikhs oder den Bahai ihr geistliches Zuhause haben, aber auch Menschen ohne Religionszugehörigkeit unterstützen das "Dresdner Wort" - entstanden aus den ...

... sechs Religionsgemeinschaften, die sich während der Festttage zur Deutschen Einheit in Dresden 2016 nahe an der Kreuzkirche ein Zelt und viele Gespräche, Lachen, Tee und leckeres Essen geteilt haben. Das "Dresdner Wort" wartet auf viele weitere Menschen, die es unterzeichnen und sich da, wo sie leben, zu eigen machen. Sind Sie eine oder einer davon? Wie wohltuend ist dieses Miteinander, im Unterschied zum Hassgebrüll, das ich auf dem Weg zum Ökumenischen Gottesdienst am 3. Oktober in Dresden hören musste.

 

Barbara Zeitler

 

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Seitenblicke

Heute soll an dieser Stelle auf zwei Webseiten hingewiesen werden, die für Interessierte an der Forumsarbeit sicher auch hilfreiche Anregungen bereit halten.

Auf die erste Seite wurden wir von R. Haubold aufmerksam gemacht. Auf www.glaubensreform.de präsentiert sich die "Gesellschaft für eine Glaubensreform e. V.". Sie tritt u.a. für eine Kirche ein, ...

die dem Weg Jesu folgt und Ehrfurcht vor dem Leben aller Geschöpfe zeigt; den kritischen Umgang mit Bibel und kirchlicher Lehre fördert; Biblizismus und Fundamentalismus energisch entgegentritt; zentrale naturwissenschaftliche Erkenntnisse über das Leben im Kosmos mit dem christlichen Glauben verbindet und die Vielfalt der Gottes- und Glaubensverständnisse achtet.

 

Die zweite empfehlenswerte Webseite ist unter der Adresse worthaus.org/ zu erreichen. "Worthaus" ist ein 2010 ins Leben gerufenes Experiment. Es versteht sich als den Versuch, einen unverstellten Blick auf die biblischen Texte und den Menschen zu gewinnen, an dessen Geburt sich nicht nur unsere Zeitrechnung orientiert. In aller denkerischen Freiheit wird mit Mitteln des Verstands, der Wissenschaft und des Herzens daran gearbeitet, einen neuen, authentischen Zugang zu den christlichen Quellen zu finden. Auf dieser Webseite finden sich eine ganze Reihe sehr informativer Vorträge zu Fragen der christlichen Lebensführung ("Christliche Sexualethik"), zur Bedeutung der Bibel ("Die Bedeutung der Bibel für den christlichen Glauben – was Christen der Bibel verdanken") und zu ganz konkreten biblischen Gestalten ("Johannes der Täufer") oder einzelnen biblischen Texten ("Das Doppelgleichnis vom Schatz im Acker und vom Perlenkaufmann").

Diese Vorträge kann man anschauen oder sich als mp3 herunterladen und anhören, beim Bügeln, im Auto auf dem Weg zur Arbeit oder beim Joggen.

Kathrin Mette

 

 


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Die Besorgten und die Unruhestifter*innen

"Müßt Ihr diesen Streit denn so in die Öffentlichkeit tragen? Für die Medien ist das doch ein gefundenes Fressen. Das hättet Ihr doch hinter verschlossenen Türen machen können."

Diese Kommentare bekomme ich jetzt immer mal wieder zu lesen und zu hören. Dann male ich mir folgende Situation aus. Ein Schriftgelehrter sagt zu Jesus: "Deine Interpretation ist ja durchaus in Ordnung. Aber in der Öffentlichkeit kannst Du das doch nicht machen. Es gibt sowieso schon so viel Streit und Uneinigkeit. Und die Römer feiern doch, wenn wir miteinander streiten."

Und Jesus fragt dann zurück: "Während Ihr draußen schon mit Steinen auf Menschen schmeißt, soll ich im Haus mit Euch einen stillen theologischen Disput führen?"

Es ist heute eine kirchliche Wirklichkeit, daß Menschen diskriminiert werden. Es ist heute eine kirchliche Wirklichkeit, daß Leute in Verantwortung daran beteiligt sind. Es ist heute eine traurige Realität, daß Menschen aus unserer Landeskirche weggehen, weil sie hier keine Perspektive sehen.

Und wir sollen im stillen Kämmerlein theologische Scheingefechte führen? Nein, wir stellen uns zu unseren Geschwistern und ergreifen Partei für sie. Nicht aus Illoyalität, sondern aus Überzeugung.

 

Frank Martin

 

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Ein Tag

Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Eine ruhige Nacht liegt hinter mir als der Wecker klingelt. Ich öffne die Augen.

Der Himmel ist schon wieder hell.

Die Sonne scheint und nur ein paar weiße Wölkchen sind zu sehen.

Nichts hab ich dazu getan.

 

Lobe den Herrn meine Seele.

Im Badezimmer dreh ich den Wasserhahn auf. Frisches, klares, sauberes Wasser sprudelt heraus und rinnt erfrischend über Hände und Gesicht. Ich trinke einen großen Schluck.

…und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Ein Schrank voller sauberer Kleidung, Warmes und Dünnes, für kalte und für heiße Tage, gehört mir. Nicht zu vergessen das Schuhregal und die diversen Tücher und Ketten und Armreifen und …

Lobe den Herrn meine Seele.

 Bald duftet es in der Küche nach frischen Kaffee, Kakao und Toast für die Kinder. Ich greif heute lieber zum Müsli – soll ja gesund sein. Noch ein Stück frisches Obst dazu. Fertig ist der Frühstückstisch.

… und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Dann die Kinder wecken. Sie reiben sich verschlafen die Augen und murren, weil sie schon aufstehen müssen. Ach ja, Schule, lernen, Mathe und Deutsch und Sport und Musik und natürlich Freunde treffen. Was für ein Glück.

Lobe den Herrn meine Seele.

Der Tag nimmt seinen Lauf. Telefonate, Emails beantworten, diverse Gespräche vorbereiten, Mitarbeiterbesprechung. Manches macht Spaß, anderes weniger, manches geht leicht von der Hand, anderes braucht viel Zeit. Was soll’s. Ich kann in Frieden meiner Arbeit nachgehen.

Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat

Mittags eine kurze Pause, etwas essen, etwas trinken. Mehr als genug ist von allem da. Und im Briefkasten ein Urlaubsgruß von Freunden.

Lobe den Herrn meine Seele.

Am Nachmittag klingelt es an der Tür. Ein kleiner Junge hat seinen Schlüssel verloren und fragt, ob vielleicht in der Kirche jemand seinen Schlüssel abgegeben hat. Er ist enttäuscht, dass wir ihn nicht haben. Eine Stunde später ruft seine Mutter an. Der Schlüssel war im Geheimfach vom Ranzen. Wie schön. Ich freu mich mit.

Lobe den Herrn meine Seele.

Am Abend sitzen wir alle um den Tisch. Die Kinder erzählen von der Schule. Ich erzähle von dem Jungen mit dem Schlüssel.

Langsam wird es draußen wieder still.

… und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Später, es ist schon längst dunkel, prangt hell der Mond am Himmel.

Ich bin müde und geh zu Bett. Nichts Besonderes ist heute passiert. Und doch: Was für ein Tag!

Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

 

Christiane Dohrn

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Brief an den Zeitgeist  2016

Lieber Zeitgeist, ich habe ein zwiespältiges Verhältnis zu dir; dir gegenüber bin ich hin- und

hergerissen. Manchmal möchte ich sagen: Böser Zeitgeist! Das Böse an dir beginnt für mich schon mit dem Industriezeitalter. Es geht um die Macht der Zahlen, die ich damit verbinde. Um das Schnelle. Das Immer-Mehr. Die Wirtschaft soll ständig wachsen. Kann das überhaupt gehen? Ist nicht irgendwann einmal Ende der Fahnenstange? Kann man sich nicht einfach mal zurücklehnen und versuchen, den erreichten Status Quo zu halten? Stattdessen sollen Umsatz und Aktien beständig steigen, steigen, steigen. Wohin? Wofür? Für wen? Für das Individuum?

Ja, einerseits ist es wunderschön, dass du, lieber Zeitgeist, die Bedürfnisse des Individuums würdigst – und deren Vielfalt. Andererseits, böser Zeitgeist, ist der einzelne Mensch bei dir eine Zahl, austauschbar, da – um effektiv – nein, besser noch: effizient zu sein. Er soll aus möglichst wenig Aufwand möglichst viel Ergebnis ´rausholen. Und auch da ist kein Ende abzusehen. Wann ist genug? Die Wirtschaft überprüft ständig, wo sich noch Zeit einsparen

lässt. Du, böser Zeitgeist, bist wie die grauen Herren bei „Momo“. Der Autor Michael Ende hat dich wunderbar erfasst! Ertappt! Und weil sich das so schlecht anfühlt, lediglich als rasende Zahl unterwegs zu sein, die austauschbar ist, möchte ich meinen, du bist schlecht, lieber Zeitgeist!

Lieber Zeitgeist, wir sind aufgeklärt. Wir stützen uns auf die Maximen der französischen Revolution: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“. Freiheit, sie wird groß geschrieben. Sogar der deutsche Bundespräsident hat sie sich groß auf seine Fahnen geschrieben. Freiheit. Ich kann tief durchatmen. Viele haben die Möglichkeit, sie selbst zu sein, ihre Einzigartigkeit zu leben und ihre Nische zu finden. Demokratie und Menschenrechte – nicht nur das Recht der Mehrheit, sondern auch der Schutz der Minderheiten.

Einst waren es Sklaven und Frondienst leistende Bauern, schließlich andere Rassen, das Proletariat und zum Schluss die Frauen, die erst unterdrückt wurden und sich dann befreiten. Zumindest in der westlichen Welt. Wie das oft beliehene Modell einer Zwiebel, die sich häutet. Und ich bin erschrocken, wenn ich von heutiger Sklaverei erfahre. Ich hätte gemeint, zumindest diese Zwiebelhaut ist für immer entfernt und gegessen. Der Umgang des IS mit jesidischen Frauen, Kinderarbeit und anderer Menschenhandel lehren mich etwas anderes. Ich habe die naive Vorstellung, irgendwann sei die Zwiebel geschält, aber unsichtbar scheinen ihre ursprünglichen Strukturen fortzubestehen, da Macht fortbesteht und alle Dynamiken, die mit ihr verbunden sind.

Ich atme tief durch und bin froh, zum Beispiel nicht in den 50er Jahren zu leben, als eine Frau ihren Ehegatten um Geld oder sein Einverständnis in ihre berufliche Tätigkeit bitten musste. Lieber Zeitgeist, du brichst Machtgefüge auf. Du schaffst die Sippenhaft ab. Auch der Stammbaum in seiner bisherigen Form wäre wohl überholt, sobald wir erkannt haben, dass Wasser genauso dick wie Blut sein kann. Durch dich kam die Emanzipation der Frau ins

Rollen. Im Zuge dessen bringst du auch das bisherige Verständnis von Ehe mächtig ins Wanken, … „und das ist auch gut so“!

Ist das gut so? Böser Zeitgeist, wo sind die Schutzräume für Menschen und Gemeinschaften geblieben? Schwindet durch dich die Achtung vor dem Leben? Individualisierung bringt Vereinzelung, und Vereinzelung bringt Einsamkeit. Was verbindet uns Menschen noch?

Nicht mal auf Knigge kann ich die anderen noch festnageln, wo es doch mit der Bibel schon lange nicht mehr geht. Mir fehlen Anstand und Höflichkeit in unserer Gesellschaft. Alle drängeln sich in Zug, Bus und Bahn. Kaum einer gibt einem anderen Vortritt. Gut, aufstehen tun wir schon noch für die Alten, Kranken, Schwangeren. Wir checken unsere Handys und haben kaum noch einen Blick für den anderen. Wir optimieren uns, trimmen uns auf Schönheit und Leistungsfähigkeit und streben das gesunde Leben an. Überprüfen dies bereits im Entstehen und stoßen es notfalls ab. Wir maßen uns an, uns einfach das Beste aus den Genen und den Ideologien herauspicken zu können, sind Marionetten der Werbung, überfüllt von Konsum und entleert von Sinn. Ich habe Angst, böser Zeitgeist, dass du manipulierte Narzissten hervorbringst, denen jeglicher Tiefgang fehlt.

Böser Zeitgeist, die Menschen haben bei dir freien Zugang zu jeglicher Art von Sexfilmen und könnten diese eindimensionale Darstellung mit Liebe verwechseln. Lieber Zeitgeist, die Menschen hinterfragen durch dich althergebrachte Ernährungsgewohnheiten und zeigen damit auch ihre Achtung vor der Schöpfung.

Böser Zeitgeist, unsere Fortbewegungsmittel verseuchen diese Schöpfung, aber…

Lieber Zeitgeist, dieselben bringen uns einander näher wie nie zuvor.

Lieber Zeitgeist, wir haben durch das Internet Zugang zu sämtlichen Wissensquellen und lassen uns nicht mehr so viel vormachen wie früher vielleicht – sondern können überprüfen und selber denken. Aber…

Böser Zeitgeist, dadurch werden wir frech und verlieren Respekt vor Autoritäten. Außerdem sind wir doch, zugegebenermaßen, viel zu faul zum Prüfen und lassen uns stattdessen lieber Halbwissen, Gerüchte oder Illusionen vorkauen, vorgaukeln und verkaufen. Wie denn nun?

Bist du böse oder lieb?

Zeitgeist, deine Freiheit ist gut. Sie sollte das Verbindende unter Menschen begünstigen und nicht das Trennende. Doch auch heute noch gibt es in dir Machtgefüge, eine Trennung zwischen Starken und Schwachen. Du stärkst das Laute, Schnelle und Kurzfristige, und du vernachlässigst das Leise, Langsame und Langfristige. Du stärkst den schnellen Genuss, das Optimum, das Geld und den Wissenserwerb; Du schwächst den Müßiggang, die Besinnung

und die Herzensbildung. Ich glaube, du brauchst eine Korrektur an den Stellen, wo wir Menschen uns voneinander und von uns selbst entfernen, ansonsten finde ich dich ganz okay.

Die nächste Haut der Zwiebel – weiter gibt es Schwache und Starke. Weiterschälen – die Schwachen stärken und die Starken in die Verantwortung nehmen.

 

Zeitgeist, du bist wie du bist. Du kommst nicht von außen und brichst nicht über uns herein; du bist immer ein Teil von uns selbst. Ich muss dich nicht vergöttern, nicht verteufeln. Du spiegelst – wie eh und je – das Menschliche wieder. Manch einer frönt dir in unkritischer Weise. Manch anderer empfindet sich dir gegenüber als Opfer. Der oder die eine mag bequem sein, der oder die andere mag sich durch seinen Kampf in einer besonderen Mission wähnen. Aber ich muss auch den Menschen weder vergöttern noch verteufeln. Ich komme weiter, wenn ich versuche, ihn zu verstehen. Dich, Zeitgeist, zu verstehen; dazu verhelfe mir Gott.

Claudia Appel

 

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Warum es kein nationales Christentum geben kann

Was hat die frühe Kirche so anziehend gemacht? Der Glaube und die Predigt? Darüber haben viele gelacht. Stärker wirkte die Einheit von Glaube und Leben. Dazu gehörte ohne Zweifel die Bereitschaft, für den eigenen Glauben zu sterben. Vor allem aber setzten die Gemeinden die Forderung Jesu um, barmherzig zu allen Menschen zu sein. Es war das diakonische Handeln der Kirche, das die Kirche so anziehend machte. Und sie bot etwas, ...

... das Rom nur sparsam verteilte: das Bürgerrecht. Wer getauft war, bekam das Bürgerrecht im Himmel. Egal, ob Mann oder Frau, frei oder versklavt, Jude, Grieche oder Barbar – alle eins in Christus Jesus. Und dies stand allen Menschen offen, weshalb niemand auszugrenzen war - wie ja auch die Barmherzigkeit allen galt.

Nun ist das Bürgerrecht im Himmel auf der Erde natürlich nicht viel wert. Und den römischen Verwaltungsapparat hat es nicht interessiert, ob sich ein Fremder auf dieses Recht berief. Dennoch: Da es neben der Familie kein soziales Netz gab, war das Bürgerrecht im Himmel eine Absicherung im Leben. Man lebte in einer Gemeinschaft, die keine Unterschiede machte. Die nicht nach politischen Überlegungen handelte, sondern nach der Überzeugung, dass vor Gott alle Menschen gleich sind.

Nicht die Nation zählt, die davon lebt, dass sie sich gegen Menschen anderer Nationen abgrenzt. Nicht die Geburt zählt, die bestimmt, wer dazugehört und wer draußen bleibt. Nein: alle eins in Christus Jesus; keine Gäste mehr bei Gott, sondern seine Familie.

Heute sterben an den Grenzen Europas täglich Menschen, die hierher wollen, um zu leben. Egal, ob sie ein Bürgerrecht im Himmel haben oder nicht – sie müssen draußen bleiben. Das Bürgerrecht im Himmel ist auf der Erde nicht viel wert; auch nicht im christlichen Abendland. Was könnte die Kirche heute
anziehend machen?

Frank Martin

 

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Was ich mir wünsche

Ich habe viele Wünsche. Viel mehr als drei. Aber von dreien will ich an dieser Stelle berichten. Ich wünsche mir, dass die Urlauber in der Dahlener Heide, die sich mit den "Asylanten" in der Nähe ihres Hotels nicht richtig erholen können (so sagen sie), nachts eine Autopanne haben (im Funkloch wohlgemerkt) und ...

... es einer von den "Asylanten" ist, der zufällig vorbeikommt und das Auto reparieren kann.

Ich wünsche mir, dass alle die ihre Vorurteile gegen "Neger" und "Fidschis" und "Zigeuner" pflegen, eines Morgens aufwachen und sich als einzige Weiße in einem afrikanischen Dorf südlich der Sahara wiederfinden ohne die Möglichkeiten dort schnell wieder zu verschwinden.

Und allen, die es falsch finden, wenn Frauen Frauen lieben oder Männer Männer begehren, wünsche ich, dass ihre Tochter eines Tages zu ihnen kommt und sagt: "Papa, Mama, ich habe mich in eine Frau verliebt. Ich war noch nie so glücklich in meinem Leben. Freut ihr euch mit mir?"

Ich wünsche mir ... oder auch nicht. Denn das sind ja gemeine Wünsche. Es ist gemein, jemandem eine Autopanne zu wünschen. Es ist gemein, sich jemanden als einzige "Weiße" in einem afrikanischen Dorf  vorzustellen  und sich auszumalen, wie sie dort schief angesehen und im schlechtesten Fall selber mit harten Vorurteilen konfrontiert werden würde. Und welchem Vater und welchem Kind wünscht man ernsthaft, sich in dieser existentiellen Konfliktlage wiederzufinden?

Aber: Ich glaube, dass sich bestimmte verkrustete Vorstellungen nur durch Erfahrungen aufbrechen lassen - Erfahrungen, die uns beispielweise zwingen die Perspektive zu wechseln und sich mit den Betroffenen zu identifizieren. Und so etwas wünsche ich mir. Weil sich nur so etwas ändern kann.

 

Kathrin Mette

 

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Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt, … – und wie wir als Kirche leben.

 

Eigentlich ein schräges Bild. Ein Weizenkorn stirbt, wenn es bei sich bleibt. Wenn es so bleibt, wie es ist – ein Korn eben. In der Erde entfaltet es seine Lebenskraft. Aber es verliert sich dabei. Aus dem einen Korn, das auf sich verzichtet, werden viele andere Körner. Das ist der Preis des Lebens.

 

Jesus deutet seinen Jüngern seinen Tod. Er ist nicht Opfer; er opfert sich. Es wird ihm nichts genommen; er schenkt sich. Vorbehaltlos und rückhaltlos gibt er sich. Nichts behält er zurück; nicht einmal seine Kleider. Wie ein Weizenkorn nicht bei sich selbst bleiben kann, wenn etwas wachsen soll, so verzichtet Jesus auf sich, damit Leben gegen den Tod wächst. Die Jünger haben damit ihre Schwierigkeiten. Wer sich wegwirft, geht doch verloren. Wer sich nicht beisammenhält, verliert sich im Zeitenlauf. Aus den Jüngern wächst die Kirche. Und je länger je mehr bewahrt und sammelt und behält die Kirche – sich selbst und was ihr anvertraut ist. Aber: Ein Weizenkorn bleibt allein, wenn es nur bei sich bleibt. Jesus schenkt sich weg, damit Leben wächst. Und er sagt zu seinen Jüngern: Wie ich, so auch ihr! Das heißt für uns: Verschenkt euch, verliert euch ganz im Vertrauen auf Gott – und ihr werdet sehen, wie daraus Frucht wächst! Heute reden wir aber von Konzentration. Heute aber bündeln wir die Kräfte. Heute aber kürzen wir die Mittel. Heute versuchen wir, die Substanz zu erhalten. Um uns selbst, um unsere Gemeinden drehen wir uns. Da bleibt keine Kraft für Neues. Aber: Ein Weizenkorn stirbt, wenn es bei sich bleibt. Wir bleiben allein, wenn wir uns nicht verschenken – das ist heute wohl unsere traurige Realität. Gemeinde in der Nachfolge Jesu muß auf sich verzichten und Gemeinde für die Anderen sein. Sonst ist sie nutzlos für alle.

 

Frank Martin

 

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Über das Zweifeln

„Meine Seele fühlt den furchtbaren Schmerz, dass Gott mich nicht will, dass Gott nicht Gott ist, dass Gott nicht wirklich existiert. Der Himmel welche Leere.“

 

Können Sie sich vorstellen, wer diesen Satz gesagt hat? Man kann es gar nicht glauben, aber der Satz stammt von ...

... Mutter Teresa.

 

„Der Himmel welche Leere.“ Man weiß von Mutter Teresa, dass sie eine „göttliche Berufung“ verspürte, den Armen zu helfen. Mutter Teresa hat einen Orden gegründet und fortan in den Slums von Kalkutta gelebt und sich um die Menschen dort gekümmert. Und sie war hoch angesehen. 1979 hat sie den Friedensnobelpreis bekommen. Im Jahr 2003 wurde sie selig gesprochen. Die Heiligsprechung soll noch in diesem Jahr erfolgen.

 

Vor einigen Jahren sind Briefe von Mutter Teresa veröffentlich worden, die zeigen, was man sich kaum vorstellen kann: Mutter Teresa hat seit der Gründung ihres Ordens in einer tiefen Glaubenskrise gelebt. „Der Himmel welche Leere.“

Mutter Teresa hat nur ihrem Beichtvater von dieser Glaubenskrise berichtet, niemandem sonst. Dazu schreibt sie in ihren Briefen: „Ich wage nicht, die Worte und Gedanken auszusprechen, die mein Herz bedrängen.“

 

Ich kann diese Frau verstehen. Als Ordensfrau; als „Engel der Armen“ wie man sie nannte; als jemand, die schon zu Lebzeiten wie eine Heilige verehrt wurde, war es ihr unmöglich, sich als die Zweiflerin ja als die Verzweifelte erkennen zu geben, die sie – wie wir nun wissen – eigentlich war.

 

Es macht mich traurig, mir die Seelennot dieser Frau vorzustellen und ich frage mich, was passiert wäre, wenn sie es tatsächlich gewagt und anderen Menschen an ihrer Glaubenskrise Anteil gegeben hätte.

Sicherlich wären einige entsetzt gewesen, aber ich denke, dass es den meisten eher geholfen hätte, von Mutter Teresas abgrundtiefen Zweifeln zu erfahren … „Was, sogar sie?“ Niemand sollte sich schämen müssen, wenn ihn Glaubenszweifel umtreiben, wenn er die Gottesbilder seiner Kindertage hinterfragt, wenn er die Argumente der Religionskritik plausibel findet. Das alles können Wege zu einem tieferen Verständnis des Glaubens sein. Ich bin sogar der Auffassung, dass Gott die Sucher und Zweiflerinnen ganz besonders liebt, weil sie sich leidenschaftlich um ihn mühen.

 

Vor Jahren war ich zur Christvesper in der Leipziger Nikolaikirche. Wissen Sie wie der damals noch lebende Pfarrer Führer die Gemeinde zu diesem Gottesdienst begrüßt hat? Er wählte die Worte: Liebe Gemeindemitglieder, liebe Zweifler und alle anderen guten Christen.

Es wurde mir sehr weihnachtlich zumute damals.

 

 Kathrin Mette

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Die wundervolle Frage der alten Schlange: Sollte Gott gesagt haben, …?

Gern wird von der Seite derer, die sich selbst für fromm halten, dies Argument vorgebracht, wenn jemand Bibelstellen als irrelevant für die Diskussionen betrachtet: "Tz, tz, tz! Sollte Gott gesagt haben ...?" - und damit ist klar, daß, wer so redet, nur des Teufels sein kann. Ich denke da immer an Jesus und seine Begegnung mit denen, die sich selbst für fromm hielten.

 

 

 

Es ist Sabbat.

 

Jesus ist in der Synagoge und lehrt.

 

Eine Frau kommt.

 

Verkrümmt seit 18 Jahren.

 

Jesus richtet sie auf – er, der Weltenrichter.

 

Und der Vorsteher der Synagoge?

 

Wird unwillig.

 

Kommt gefälligst an den Wochentagen!

 

Sechs Tage habt ihr Zeit, euch heilen zu lassen.

 

Jesus fragt: Tränkt ihr eure Tiere am Sabbat?

 

Aber diese Tochter Abrahams soll nicht aufgerichtet werden am Sabbat?

 

Und der Vorsteher der Synagoge?

 

Er schweigt beschämt.

 

Immerhin!

 

Er hätte zu Jesus auch sagen können: "Tz, tz, tz! Sollte Gott gesagt haben …?"

 

Aber er schweigt beschämt.

 

Andere, die sich für fromm hielten, gingen an anderem Ort aus der Synagoge.

 

Sie berieten, wie sie Jesus töten könnten. Denn: "Sollte Gott gesagt haben …?"

 

Und sie fühlten sich so wunderbar im Recht.

 

Schließlich sei der Mensch ja für das Gesetz da!

 

Oder?

 

Oder sollte Gott gesagt haben: Das Gesetz ist für den Menschen da?

Frank Martin

 

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Impulse zur Schriftauslegung von unserem zukünftigen Bundespräsidenten

Im Jahr 2008, kurz vor Weihnachten, las ich in der ZEIT einen Artikel von Navid Kermani über die Bootsflüchtlinge von Lampedusa. Lange vor der sog. "Flüchtlingskrise" - oder sagen wir es genauer: zu einem Zeitpunkt als man sich in Mitteleuropa nicht weiter um die Flüchtlinge kümmerte, sondern die Sache gern Italien überließ, schrieb Kermani bewegend und aufrüttelnd über die Situation auf der kleinen italienischen Insel, über Frontex, ein überfülltes Lager,...

... über Touristen, die das alles nicht scherte und ein Schiff mit 65 Geretteten im Bauch. Der Artikel trug den Titel "Und an Bord sind Maria und Josef" und war auch sonst reich an christlichen Anspielungen. Dass dieser deutsch-iranische Intellektuelle muslimischen Glaubens sich in der Welt des Christentums auskennt und seine Überlegungen und Texte auch für christliche Gläubige immer wieder interessante Einsichten bereit halten, hat sein Buch "Ungläubiges Staunen. Über das Christentum"  jüngst wieder bestätigt.

Das gilt sogar da, wo es Kermani selbst nicht darauf ankommt, sich auf christliche Gehalte und Symbole zu beziehen. So ging es mir vor wenigen Tagen bei der Lektüre seines Buches "Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime". Dort fand ich einen bemerkenswerten Absatz über den Koran, der ja - vergleichbar der teilweise im Christentums vertretenen Lehre von der Verbalinspiration der Bibel - als reines göttliches Wort gilt.

Dennoch ist es in der muslimischen Welt offenbar weithin common sense, dass dieses reine göttliche Wort auslegungsbedürftig ist, wobei diese Auslegungen als menschlich verantwortetes und insofern immer auch strittiges Unternehmen verstanden wird. (Ähnliches gilt übrigens auch für das Judentum.)

Kermani schreibt: "Ein klassischer Korankommentar enthält stets mehr als nur eine Deutung. Erst nachdem der Exeget die möglichen Interpretationen aufgezählt hat, stellt er seine eigene vor, um mit der Floskel  wa-llâhu a'lam abzuschließen, <<Und Gott weiß es besser>>. Eben weil der Koran als das reine göttliche Wort gilt, ist nach traditioneller islamischer Auffassung jede Auslegung menschlich und daher notwendig relativ. Dass niemand über die absolute Deutung verfügt, mehr noch: es diese eine Deutung gar nicht geben dürfte, gehört zu den Grundannahmen der klassischen muslimischen Exegese".

Ich wünschte mir, dass diese Einsicht auch Standard für den Umgang mit den biblischen Texten werden würde, nicht nur in der Exegese, sondern auch im Glaubensleben, egal ob in Leipzig oder Pockau. Denn das gilt ja wohl auch für uns:  Gott weiß es immer besser.

 

Kathrin Mette

 

Quelle: Das zitierte Textstück stammt aus: Kermani, N.: Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime, Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009, S. 109.

Das von Kermani beschriebene Verfahren der Korandeutung begegnet auch immer wieder in der jeden Freitag gesendeten Serie des Deutschlandfunk: Koran erklärt

 

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Ein Ende den Grabenkämpfen

 

Spaltung! Tiefe Gräben! Sich hinter Vorwürfen verschanzen! Für den rechten Glauben kämpfen! In mancher verbalen Äußerung, die uns in den letzten Wochen erreicht hat, sieht man ein regelrechtes Schlachtfeld vor sich. Ja, die Kirche (und nicht nur die Kirche) durchzieht ein großer Graben. Aber warum soll das ein Schützengraben sein? Es gibt auch andere Gräben, die deutlich machen, dass Abgründe zwischen uns liegen.

 

Mit freundlicher Genehmigung von Werner Tiki Küstenmacher
Mit freundlicher Genehmigung von Werner Tiki Küstenmacher

Ich liebe Canyons – die sind auch gefährlich, aber geologisch unheimlich spannend. Eigentlich ertrage ich es kaum in die abgründige Tiefe zu blicken, weil ich nicht schwindelfrei bin. Trotzdem faszinieren mich diese Gräben. Tief eingeschnitten geben sie den Blick frei auf die Geschichte der Erde. Der Zahn der Zeit hat ganze Arbeit geleistet. Unter fachkundiger Führung lässt sich viel Interessantes entschlüsseln. Schichten bauen aufeinander auf. Eine trägt die andere und überlagert, was darunter liegt. Manches tritt an die Oberfläche, was sonst verborgen bleibt.

 

Am Graben in unserer Kirche, den die schnell dahinfließende Zeit zwischen uns aufgetan hat, ließe sich viel über das werden (und vergehen) der Kirche entdecken. Darüber in fachkundigen Expeditionen zu reden, fände ich spannend.

 

Für den Massentourismus aber müssen Gräben gut gesichert und Abgründe markiert sein, damit niemand auf der Strecke bleibt. Auch dafür tragen wir Verantwortung.

 

Und letztlich mündet jede noch so wilde Schlucht irgendwann in offenem Land, wenn man nur lange genug sorgfältig und vorsichtig am Graben entlang geht. Wollen wir miteinander gehen – jeder auf seiner Seite des Grabens?  Dann bleibt als Aufgabe, dass wir uns einigen müssen, ob wir mit dem Strom der Zeit, also flussabwärts, oder gegen den Strom, also flussaufwärts, gehen wollen.

 

Christoph Maier

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Bei einer Muslima beten lernen ...

"O Herr, wenn ich Dich aus Angst vor der Hölle liebe, verbrenne mich dort, und wenn ich Dich in der Hoffnung auf das Paradies liebe, schließe mich dort aus, ...

 

... doch wenn ich Dich aus Liebe zu Dir selbst liebe, entziehe mir nicht Deine göttliche Schönheit."

 

Dies ist eines der schönsten Gebete der reinen Gottesliebe, welches ich kenne. Es stammt aus dem 8. Jh. Dieser Gedanke findet sich auch bei vielen Mystikern des späteren Mittelalters und der Neuzeit – besonders eindrücklich etwa bei Theresa von Ávila und bei Johannes vom Kreuz. Aber auch schon Franz von Assisi und Thomas von Aquin beten in ähnlicher Weise.

 

Was macht dieses Gebet nun so besonders? Es war eine Muslima, die so betet. Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Qaysiyya war eine muslimische Mystikerin, die für ihre brennende Liebe zu Gott bekannt war. Auch, wenn ich nicht alle ihre Glaubensvorstellungen teile, fühle ich mich ihr nahe. Oder anders und ehrlicher: Auch ich sehne mich danach, diese reine und selbstvergessene Liebe zu Gott zu suchen.

Frank Martin

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Die Erde ist eine Scheibe – oder: Was leisten biblische Begründungen?

In Lettland soll die Frauenordination wieder abgeschafft werden. So weit, so schlimm. In der Stellungnahme der EKD-Auslandsbischöfin zu dieser absurden Entscheidung kommt ein Argument zum Tragen, welches mich befremdet. ...

... Frau Bosse Huber schreibt im Blick auf die Frauenordination: "Dafür gibt es gute biblische Gründe in Treue zum Evangelium." Müssen wir dafür biblische Gründe finden? Oder ist alles, was sich biblisch begründen läßt, damit auch schon berechtigt? Nun, es lassen sich sehr gute biblische Gründe für die Todesstrafe finden. Es lassen sich sehr gute biblische Gründe für die Polygamie finden. Für Prügelstrafen und andere schlimme Dinge auch. Erwartet irgendjemand ernsthaft, daß wir gute biblische Gründe gegen Todesstrafe, Polygamie und Prügelorgien vorbringen, um zu rechtfertigen, daß es so etwas bei uns nicht gibt? Bestimmte Sachen dürfen wir nicht rechtfertigen, als ob sie in Frage stünden – auch nicht biblisch!

Frank Martin

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Das eine: Herz; das andre heißt: Vernunft.

Ein Freund wies mich neulich auf ein Glaubensbekenntnis von Ignaz Heinrich von Wessenberg hin, verfasst im Jahre 1799.

Darin heißt es zum Beispiel:

 

"Ich glaube an der Geister Auferstehung, daß, wenn dereinst das müde Auge bricht, geläuterter wir dort uns wiedersehen. Ich hoff und glaub es, doch - ich weiß es nicht."

Und etwas später heißt es:
"Und tret ich einstens aus des Grabes Tiefen hin vor des Weltenmeisters Angesicht,
so wird er alle meine Taten prüfen, doch meinen Glauben - nein, das glaub ich nicht.“

 

Sicher möchte man mit dem Verfasser über manche seiner Aussagen streiten. Aber das ist ja gerade das Beeindruckende: Da bekennt einer Farbe.

Da traut sich einer, publik zu machen, was er persönlich glaubt und was nicht. Da macht sich einer angreifbar. Ich wünsche mir, dass wir Christinnen und Christen uns viel öfter ganz offen und ohne Angst vor Verurteilung darüber austauschen würden, was wir eigentlich glauben oder auch nur, was wir meinen, wenn wir Jesus als den "Sohn Gottes" bekennen oder die "Auferstehung  der Toten". Denn alles Einstimmen in die tradierten Glaubensbekenntnisse entbindet uns ja nicht, Rechenschaft darüber zu geben, was wir unter und hinter den Worten verstehen ... Und das kann mitunter ziemlich verschieden sein. Spannend nicht?

 

Kathrin Mette

 

„Mein Glaube
Ich glaub, daß, der die schöne Welt regiert,
ein weiser, nie begriffner Geist.
Ich glaube, daß Anbetung ihm gebührt,
doch weiß ich nicht, wie man ihn würdig preist.
Nicht glaub ich, daß der Dogmen blinder Glaube
dem Höchsten würdige Verehrung sei.

Er bildete ja das Geschöpf aus Staube
von Irrtum nicht und nicht von Fehlern frei.
Ich glaube nicht, daß vor dem Geist, der Welten
erschuf, des Talmud und des Alkoran
Bekenner weniger als Christen gelten;
verschieden zwar, doch alle beten an.
Ich glaub es nicht, wenn wir von Priestern hören,
der Christenglaube mache nur allein
uns selig, wenn die Finsterlinge lehren,
verdammt muß jeder Andersdenker sein.
Das hat der Weise, der einst seine Lehre
mit seinem Tod besiegelt, nie gelehrt;
das hat fürwahr - dem Herrlichen zur Ehre -
kein Jünger je aus seinem Mund gehört.
Er lehrte Sanftmut, Demut, Duldung üben.
Verfolgung war der hohen Lehre fern.
Er lehrt' ohn Unterschied die Menschen lieben,
verzieh den Schwachen, ja dem Feinde gern.
Ich glaube an der Geister Auferstehung,
daß, wenn dereinst das müde Auge bricht,
geläuterter wir dort uns wiedersehen.
Ich hoff und glaub es, doch - ich weiß es nicht.
Dort, glaube ich, wird sich die Sehnsucht stillen,
die hier das Herz oft foltert und verzehrt.
Die Zukunft, glaube ich, wird sich enthüllen
dem Auge dort, dem hier ein Schleier wehrt.
Ich glaube, daß für dieses Erdenleben -
glaub's zuversichtlich trotz der dunklen Zunft -
zwei schöne Güter mir der Herr gegeben;
das eine: Herz, das andre heißt: Vernunft.
Das zweite läßt mich prüfen und entscheiden,
was ich für Recht und Pflicht erkennen soll.
Laut schlägt das erste bei des Bruders Freuden,
nicht minder, wenn er leidet, warm und voll.
So will ich denn mit regem Eifer üben,
was ich für Recht, was ich für Pflicht erkannt,
will brüderlich die Menschen alle lieben
am Belt, am Hudson und am Gangesstrand.
Ihr Leid zu mildern und ihr Wohl zu mehren,
sei jederzeit mein eifrigster Beruf.
Durch Taten glaub ich würdig zu verehren
den hohen Geist, der mich wie sie erschuf.
Und tret ich einstens aus des Grabes Tiefen
hin vor des Weltenmeisters Angesicht,
so wird er alle meine Taten prüfen,
doch meinen Glauben - nein, das glaub ich nicht.“

 

Abgedruckt in: Werner und Dorothea Zager, Albert Schweitzer – Impulse für ein wahrhaftiges
Christentum, Neukirchen-Vluyn 1997, S. 32f.

 

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Jesus oder die Frage: Was kümmert mich fremdes Elend?

 

Es erstaunt mich immer wieder, wenn ich lese: "Warum müssen wir uns mit Themen wie Homosexualität oder Frauenrechten beschäftigen. Gibt es nichts wichtigeres? " ...

 

und dann feststelle, daß die, die sich so äußern, in keiner Weise betroffen sind. Natürlich kann man den Hunger ignorieren, wenn man satt ist; die Kälte, wenn man es warm hat. Natürlich muß man sich nicht um die kümmern, die getreten werden, wenn man am Fenster steht. Wie heißt es doch? "Neun von zehn Schüler*innen finden Mobbing gar nicht so schlimm." Christlich geht aber anders.

Frank Martin

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Der Forumsblog: Du kannst mich mal kreuzweise

Katholikentag. Im Chill-Café der Katholischen Jugend unter den Bäumen auf dem Schulhof bei der Jugendkirche liegen Bierdeckel. Die 7 (oder 14?) Werke der Barmherzigkeit werden durchdekliniert. Ich bleibe bei dem kurzen Text hängen:

Stimmt. Beten für jemand, mit dem ich Schwierigkeiten habe, verändert viel. In mir. Innere Haltung. Äußeres Gerede. Ich bete dann nicht, dass Gott jemanden umdrehen möchte. Ich stelle die andere Person und mich selbst in Gottes Gegenwart: Segnen. Und ich warte, bis ich das wirklich sagen kann: Amen. Das dauert....... Besonders für die Christenmenschen, mit denen ich Schwierigkeiten habe. Der Kopf sagt: Der Mensch mit dem ich Schwierigkeiten habe, ist mein Bruder, meine Schwester in Christus. Unser Verhältnis ist Gottgegeben. Der "von Christus erlöste, von seiner Sünde freigesprochene, zum Glauben und ewigen Leben berufene Andere" - so sagt das auch Dietrich Bonhoeffer. Das Herz sagt: Ich finde das schwer. Und auch: Dein fressender Ärger schadet. Segen heilt. Du kannst mich mal kreuzweise. Segnen. Amen.

 

Barbara Zeitler

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Der Forumsblog: Markus und ich oder wie das Miteinander gelingen kann

Markus und ich haben uns im Studium in Leipzig kennengelernt. Wir hatten damals meiner Erinnerung nach nicht allzu viel miteinander zu tun, bewegten uns in verschiedene Glaubenswelten und Freundeskreisen. Markus gehörte dem „evangelikalen Lager“ unter den Studierenden an...

... und war in der Andreasgemeinde unterwegs. Damit hatte ich nun – schon von Haus aus – so gar nichts am Hut. Stattdessen entdeckte ich im Laufe des Studiums mehr und mehr die philosophische Theologie für mich. Ich wechselte von Leipzig nach Berlin, später dann nach Halle, las dort mit Begeisterung Kant, Schleiermacher und Tillich und hatte Markus längst vergessen.

 

Aber wie das Leben so spielt … Als ich meine erste Pfarrstelle in Schmannewitz antrat, traf ich Markus wieder. Er war der Pfarrer der südöstlichen Nachbargemeinden. Nun trafen wir naturgemäß regelmäßig aufeinander: Im Pfarrkonvent, bei regionalen Dienstbesprechungen, in Nachbarschaftsgottesdiensten. Schon bald merkten wir, dass es in unseren schrumpfenden Landgemeinden wenig Sinn macht, wenn jede und jeder  ein eigenes Süppchen rührt. Und so begannen wir irgendwann verstärkt zusammenzuarbeiten, v.a. in der Männer- und der Konfirmandenarbeit.

 

Erstaunlicherweise ging das von Anfang an besser als gedacht. Und so manches Mal hab ich zu meinem Mann gesagt hab, dass ich damit nie und nimmer gerechnet hätte und dass es doch sehr erstaunlich sei, wie zwei Menschen, die theologisch so unterschiedlich ticken wie Markus und ich, so gut zusammen arbeiten können. Natürlich sind mir unsere unterschiedlichen Ansichten sehr präsent. Ich zucke regelmäßig zusammen, wenn Markus im Konfirmandenunterricht das Vokabular der mir aus meiner Erzgebirgszeit vertrauten christlichen Bekehrungsrhetorik verwendet. Ich schüttle den Kopf, wenn er von missionarischen Großveranstaltungen träumt. Seine Fürbitten sind länger als meine Predigten und zum Thema „Homosexualität“ haben wir sehr unterschiedliche Ansichten.

 

Ich bin mir sicher, dass es ihm mit mir auch so geht.

 

Aber all das beeinträchtigt unsere Zusammenarbeit nicht. Ja mehr noch: Es gibt Dinge, die ich an meinem Kollegen bewundere. Ich merke, dass seine Art zu glauben und theologisch zu denken bestimmte Menschen anzieht und begeistert. Ich bewundere sein Können auf der Gitarre, ich staune wie gut es ihm gelingt, eine Konfirmandenstunde in einem freien Gebet abzuschließen. Ich mag an ihm, dass er bereit ist, sich mit anderen Positionen auseinanderzusetzen. Er versucht zu verstehen, wie ich von Gott denke oder der Bibel oder Jesus (und ich tue das umgekehrt genauso) und er spricht mir nicht meinen Glauben ab, wenn ich anderer Meinung bin als er selbst.

 

Einmal hat er mir sein Leid geklagt über einige Christen, die sich nicht so in der Gemeinde engagieren, wie er es gerne hätte. Da hab ich ihm gesagt: „Markus, leidest du nicht vor allem daran, dass nicht alle so glauben wie Du?“ Am Abend bekam ich eine Email von ihm. Darin stand: „Vielen Dank für deine Worte. Ich glaube, vorhin hat Jesus durch dich gesprochen.“

 

Ich freu mich schon auf unseren nächsten gemeinsamen Männerkreis!

 

Kathrin Mette

 

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Der Forumsblog: Fundgrube

Die Diskriminierung von Menschen, die in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften leben, wird auch in der Ev.-Luth. Landeskirche minimiert. Zwar dürfen Pfarrer*innen nach wie vor nicht ...

... selbstverständlich mit ihren Partner*innen im Pfarrhaus leben und für Menschen, die in gleichge­schlechtlichen Lebenspartnerschaften leben, gibt es immer noch keine Möglichkeit, offizi­ell öffentlich getraut/ gesegnet zu werden. Aber gemäß dem Kirchengesetz zur Erhebung von Kir­chensteuern in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens vom 23. Oktober 1990 in der geänderten Fassung vom 31. Dezember 2015 sind nach § 4 Partner*innen in eingeschriebenen Le­benspartnerschaften bei der Erhebung der Steuern wie Ehegatten – und die Lebenspartnerschaften wie Ehen zu behandeln.

 

Das scheint mir zwar der vierte oder fünfte Schritt vor dem ersten zu sein. Aber die Richtung stimmt ja. Näheres im Amtsblatt Nr. 9 vom 13. Mai 2016: http://www.evlks.de/doc/Amtsblatt_2016_9.pdf

 

Thematisch auch passend zum Thema: Das  Wort zum Tag (19. Mai) bei MDR 1 von Mira Körlin ...


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