Die 27 % für die AfD sind eine Anfrage an uns

Liebe Schwestern und Brüder, das Wahlergebnis - gerade auch in Sachsen - nötigt uns zu einem Eingeständnis „… wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ 

Es ist uns nicht gelungen, die lebensbejahende Kraft des Evangeliums, die sich in Liebe, Mitgefühl und solidarischer Haltung zeigt, so zu leben, dass sie als Alternative zu Hass, Gewalt und Ausgrenzung deutlich wurde.

Das Wahlergebnis - die 27 % für die AfD - sind eine Anfrage an uns als Kirche und Christ*innen: Was sind wir den Menschen schuldig geblieben 

  • an klaren Worten der Liebe gegen Hass
  • an geschwisterlichem Handeln
  • an überzeugtem und überzeugendem Leben?

 

Der Ruf zur Buße gilt zuerst uns, der Kirche Jesu Christi.

 

 

 

Das erspart uns aber nicht, in aller Klarheit zu sagen, dass es keine Schnittmengen zwischen dem rassistisch-nationalistischen Gedankengut der AfD und dem christlichen Glauben gibt. Im Evangelium wendet sich Gott allen Menschen in gleicher Weise zu und verbindet uns im Volk Gottes zu einer Gemeinschaft, in der die Unterschiede durch Herkunft, Geschlecht, Milieu - und was auch immer - aufgehoben sind. Und dieser Gedanke ist nicht exklusiv gedacht - als gelte er nur für Christ*innen. Denn es bleibt das Geheimnis Gottes, wer zum Volk Gottes gehört und wer nicht.

 

 

 

Aus diesem Grund kann es für uns nicht darum gehen, Verständnis zu haben. Sondern das, was wir uns zumuten, müssen wir auch den anderen zumuten. Tut Buße!

 

Der Ruf zur Buße ist der Ruf, auf dem Weg umzudrehen und zurückzugehen. Abzulassen von dem, was wir bisher getan haben. Wenn wir uns diese Zumutung ersparen - uns zur Buße zu nötigen und andere zur Buße aufzurufen - sind wir nicht mehr Kirche im Sinne Jesu.

 

Nächstenliebe verlangt Klarheit. Von uns und gegenüber anderen.

 

Frank Martin