Klarheit und Ermutigung

Eine Bitte des Initiativkreises an die 27. Landessynode

 

Als Christinnen und Christen in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens hat uns in den letzten Wochen der Ausgang der Bundestagswahl beschäftigt.

Wir sehen in diesem Herbst 2017 für unsere Kirche eine dreifache Aufgabe:

  • Beziehungs- und Gesprächsräume schaffen
  • Orientierung geben
  • Quellen der Hoffnung erschließen

 1) Beziehungs- und Gesprächsräume schaffen

Wir stimmen dem Bischof zu, der in seinem Wort nach der Wahl darauf hingewiesen hat, dass es für uns als sächsische Christinnen und Christen eine besondere Herausforderung ist, „die gesellschaftliche Debatte aufzugreifen, für Begegnungen offen zu sein“ und diesen Austausch in gegenseitigem Respekt zu führen, „um Diffamierungen jedweder Art zu vermeiden“.

 

Was er für seine Person betont, gilt unserer Auffassung nach für uns alle, nämlich dass es dabei notwendig ist, sich „von Äußerungen“ abzugrenzen, „die die Würde des Menschen verletzen“. Diese Verletzung geschieht nach unserem Eindruck leicht, wenn bestimmte Menschengruppen mit bestimmten Attributen belegt werden, wie „kriminell“, „gefährlich“ und „dumm“. Gemeinden und Christinnen und Christen können im privaten und seelsorglichen Raum, aber auch in Gruppen und Kreisen und im öffentlichen Raum ein respektvolles und aufmerksames Gespräch fördern und fordern. Viele tun dies. Sie sollten sich darin auch durch die Synode ermutigt und gestärkt wissen.

 

2) Orientierung geben

Als Kirche Jesu Christi sehen wir uns dazu gerufen, für das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe einzutreten. Die Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus geschenkt ist, wendet sich besonders denen zu, die leiden, die in Armut leben und verfolgt werden. Sie sucht die, die in Angst leben und die, die in die Irre gehen und sich mit Gewalt, Neid, Verachtung und Hass gemein machen. Christus ruft uns in den Dienst am Nächsten in Wort und Tat.

 

Als evangelische Kirche in Sachsen machen wir diese Liebe über alle Frömmigkeitsstile hinweg u.a. sichtbar im Engagement für Menschen jeden Alters, die Nähe und Hilfe oder Antwort auf Lebensfragen suchen. Dazu gehören auch die Flüchtlinge, die immer wieder pauschalen Vorurteilen, Anfeindungen und Gewalt ausgesetzt sind.

 

Wir bitten Sie, die Gemeinden und die Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst unserer Kirche zu ermutigen zu klaren Worten, die irreführende, Angst und Neid schürende Argumente und falsche Zahlen aufdecken und kritisieren. Mitfühlen mit einzelnen Menschen, genaues Beobachten und gesunder Selbstzweifel sind notwendig, um den Hass verkümmern zu lassen, der von Pauschalisierungen, Angst und Egoismus lebt.

 

Wir bitten Sie, Gemeinden stärker über das Thema „Kirchenasyl“ zu informieren und die Gemeinden zu ermutigen, die es bereits gewähren. Es ist ein notwendiges Instrument, das den einzelnen Menschen in den Blick nimmt, der unter die Räder politischer Interessen und Verallgemeinerungen zu geraten droht.

 

Wir bitten Sie, im Gespräch mit der Politik auf die realen Gründe für Unzufriedenheit in der Gesundheits-, Wohnungs-, Sozial- und Bildungspolitik hinzuweisen, die wir als Bürgerinnen und Bürger und als kirchliche Träger für Diakonie, KiTas und Schulen kennen, und dabei vor einer kurzschlüssigen Verknüpfung mit Einwanderung und Flucht zu warnen.

 

3) Quellen der Hoffnung erschließen

In einer Gesellschaft, in der Angst und Neid zur Motivation politischen Handelns aufgegriffen und geschürt werden, sehen wir unsere Landeskirche dazu gerufen, den Glauben als Quelle der Hoffnung ernst zu nehmen. Wir laden dazu ein, aus den Quellen der Hoffnung zu schöpfen, die Gott in jedes Leben gibt: Dankbarkeit, Erkenntnis der eigenen Fehlbarkeit und Vertrauen in die unverbrüchliche Liebe und Zuwendung Gottes.

 

Darum bitten wir Sie als hohe Synode um ein Wort der Klarheit und Ermutigung für die Christinnen und Christen in unseren Gemeinden und für die Menschen, mit denen wir in diesem Teil Deutschlands gemeinsam leben.

Bitte machen Sie hörbar und sichtbar, dass wir als Evangelisch-Lutherische Kirche in Sachsen allen Menschen, unabhängig von Herkunft und Hautfarbe, von Religion oder politischer Überzeugung, die Liebe Gottes in Tat und Wort bezeugen wollen.

Danken Sie und ermutigen Sie die Christinnen und Christen, die das beruflich oder im Ehrenamt tun.

Ermahnen Sie die, die sich von Angst und Neid leiten lassen.

Ermutigen Sie die Gemeinden, sich in Christus zu gründen und im Vertrauen auf sein Wort auf andere zuzugehen und mit Freimut und Liebe das Evangelium zu leben.

 

Für den Initiativkreis des Forums für Gemeinschaft und Theologie

 

Dr. Barbara Zeitler und Dr. Kathrin Mette