Ein großer Schritt für die Menschlichkeit – aber noch nicht das Ziel!

Nachdem der Bundestag endlich die Weichen gestellt hatte, dass die Diskriminierung gleichgeschlechtlich liebender Menschen beendet werden solle, war auf Twitter folgender Tweet zu lesen:

"Dieser Tag gehört denen, die ihr Leben lang im Geheimen liebten. Die vor dem Gesetz niemals Witwer waren. Nie zusammen beerdigt. #EhefürAlle"

Was das für viele Menschen bedeutet, malt sich die heterosexuelle Mehrheit – für die das alles schon immer selbstverständlich war – wahrscheinlich gar nicht aus.

Es ist ein Grund zur Freude für viele gleichgeschlechtlich liebende Menschen, dass sie jetzt die gleichen Rechte haben wie heterosexuelle Menschen auch.

 

Es ist aber auch ein Anlass, uns noch einmal an die Schuld zu erinnern, die wir als Mehrheitsgesellschaft – auch als Kirche und Christ*innen – auf uns geladen haben über Jahrhunderte und bis heute. Denn mit der rechtlichen Gleichstellung hören Beleidigungen und Übergriffe ja nicht auf – im Gegenteil: Gerade heute scheint Gewalt gegenüber Lesben und Schwulen wieder zuzunehmen.

 

Und auch in unserer Landeskirche besteht die Diskriminierung gleichgeschlechtlich liebender Menschen fort. Statt einer Trauung für alle wurde – immerhin – nur eine Segnungsagende für Lesben und Schwule beschlossen, die wieder als diskriminierend verstanden wird. Und das sollte uns klar sein: Was als diskriminierend empfunden wird, entscheiden nie die, die nicht betroffen sind.

 

So bleiben zwei Dinge: Zum ersten Glückwunsch an alle, die nach langen Jahren endlich in gleicher Weise wie heterosexuelle Paare Ja zueinander sagen können. Und wenn sie dies wollen – wir wünschen Gottes Segen dazu.

Zum zweiten aber ist das Engagement noch nicht zu ende, solange weiter Menschen diskriminiert werden – und das betrifft gleichgeschlechtlich liebende Menschen in gleicher Weise wie inter- oder transsexuelle Menschen.

 

Frank Martin