Sachsen 2006 und Minneapolis 2026
Jetzt
Es ist viertel nach acht in der Kindertagesstätte. Anders als sonst stehen den Erzieherinnen Polizeibedienstete gegenüber. Sie sind gekommen, um den dreijährigen afrikanischen Jungen abzuholen. Dadurch soll Druck auf dessen Mutter entstehen. Sie soll zum Polizeirevier kommen, damit ihre Abschiebung vollzogen werden kann. [1]
Dieses Geschehen vollzieht sich nicht im heutigen Minnesota, wohin ich es vor dem Hintergrund der aktuellen Nachrichtenlage verorten könnte. Es handelt sich nicht um die Beschreibung eines ICE-Zugriffs in den USA.
Die Begebenheit kommt aus meiner Erinnerung und lässt sich exakt datieren und lokalisieren: es ist der 6. März 2006 in Dresden.
Dieses Ereignis reiht sich ein in viele ähnliche, die ich in meinem Berufsleben erleben musste.
Wir hatten (und haben derzeit noch) eine wache und engagierte Zivilgesellschaft, die Widerspruch leistete. Wir leben in einem demokratischen Rechtsstaat, dessen Grundgesetz auf der unantastbaren Menschenwürde der Einzelnen basiert, das die Einhaltung der Menschenrechte festschreibt und Freiheitsrechte hochhält.
Ich gestehe starke Zweifel, ob wir diese Grundlagen des Zusammenlebens stabil halten können. Der oben beschriebene Vorfall ereignete sich vor fast genau 20 Jahren. Er war symptomatisch für politisches Agieren und gesellschaftliches Hintergrundrauschen, die hintenherum bei bestimmten Akteuren die moralischen und ethischen Hemmungen zermürben.
Mit Blick auf die USA, können wir sehen, wie rasant sich ein System von Demokratie verabschiedet und Menschenrechte als altmodisch gelten. Wir können sehen, wie Bürgerrechte und Verfassungsrecht beseitigt werden.
In Deutschland gibt es ähnliche Zeichen. Der Sächsische Innenminister (CDU) spricht z.B. davon, dass Beugehaft als „Ausreiseerzwingungshaft“ ein probates Mittel wäre, um staatliches Verwaltungshandeln zu verbessern und die Europäische Menschenrechtskonvention als zusätzlicher Störfaktor zu betrachten sei.[2]
Die rechtsextremen Zustimmungswerte für Hassparteien zeigen, dass wir nicht noch einmal 20 Jahre Zeit haben werden. Wir sind wohl schon weit über die Anfänge hinaus, denen es zu wehren gelte.
Jetzt ist die Zeit, dass wir uns daran erinnern, dass alle Menschen gleich sind.
Jetzt ist die Zeit, dass wir für unsere demokratische, vielfältige, offene Gesellschaft einstehen, auch wenn es anstrengend ist. Das ist christlich.
Albrecht Engelmann
01.02.2026
... und woanders jetzt...
Zur Situation in Minneapolis schreibt der Superintendent von Leipzig:
Mitglieder unserer Partnergemeinden versammeln sich seitdem zu Mahnwachen,
In einem Video schildern der leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in
Amerika (ELCA) sowie die Bischöfe von Minnesota ihre Betroffenheit und bitten uns
zum Gebet-https://www.youtube.com/watch?v=GX5LsIgUyl0
Aus der Stadt Minneapolis erreichen uns hier in Leipzig fortlaufend Nachrichten, die
vermitteln, wie viel Kraft die Mitglieder unserer Partnergemeinden und die