Feiern wir den Tag der Menschenrechte gemeinsam - wann, wenn nicht jetzt?

Am 10.12. 2016 begehen wir, wie jedes Jahr, den Tag der Menschenrechte. An diesem Tag wird der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ vom 10. Dezember 1948 gedacht. In ihr heißt es: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Ein Satz der in Erinnerungen gerufen werden muss – gesellschaftlich – religiös - und besonders auch in der christlichen Kirche.

 

 

Der Vorsitzende des Rates der EKD Heinrich Bedford-Strohm gab im Zuge der Präsidentschaftswahl von Donald Trump folgendes Statement ab: „Ich glaube die Zeit des Spaltens ist nun vorbei. Wir müssen zusammenführen, wir müssen mithelfen, dass die klaren Grundorientierungen, für die wir als Christen stehen, in die öffentliche Debatte hineinkommen, im Dialog mit allen Menschen diskutiert werden können [...]. Und wir müssen dafür sorgen, gerade auch als Kirchen, dass die Rolle, die Deutschland, die Europa spielt, so ist, dass in der Welt insgesamt für die Schwachen eingestanden wird. Dass Werte wie Nächstenliebe und Empathie auch in die politischen Zusammenhänge hineinstrahlen, und dass vor allem alle Spaltertendenzen, die wir gegenwärtig erleben, alle Polarisierungen, alles Schüren von Hass, endlich ein Ende hat und auch die Politik in dieser Hinsicht endlich zur Vernunft kommt.“

 

Die klare Grundorientierung, für die wir als Christen stehen, bleibt für mich momentan freilich mancherorts etwas schleierhaft– verschiedene Gruppen kommen zu unterschiedlichen Wahrheiten, mitunter zu unterschiedlichen Werten. Die „Schwachen“ werden unterschiedlich identifiziert und zuweilen diskreditiert. Wir streiten – das ist auch nötig. Dennoch, es wäre gut und notwendig, zu zeigen, dass Kirche, die sich in der Nachfolge Christi bewegt, immer Kirche sein muss, die für andere da ist, sonst ist sie keine Kirche (Dietrich Bonhoeffer). Unsere Aufgabe ist es, über alle theologischen Unstimmigkeiten hinweg für Menschenrechte einzutreten. Unsere Nächstenliebe und Empathie gilt allen Menschen. Diskriminierung, Gewalt und das unablässige Schüren von Ängsten sind nicht vereinbar mit christlichen Werten. Christus ist unser Vorbild – allem Streit der Menschen um Auslegung der Schrift zum Trotz hat er stets für den Menschen gestritten, ist für ihn eingetreten und letztlich für ihn gestorben, für jeden Einzelnen von uns.

 

So gibt die EKD seit Jahren eine gottesdienstliche Empfehlung für den Tag der Menschenrechte heraus und befasst sich thematisch mit einem Schwerpunktthema von Menschenrechten. Dieses Jahr unter dem Thema „Hier ist nicht Mann noch Frau“ - Recht auf Gleichbehandlung ungeachtet sexueller Orientierung und Identität.

 

In ihrem Materialheft finden sich nicht nur Fakten zur gegenwärtigen Situation der Ausgrenzung und der Lebensgefahr, unter der viele Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Identität weltweit stehen, sondern auch Anregungen für die inhaltliche Gestaltung eines Gottesdienstes am 10.12.2016.

 

Unsere Bundeskanzlerin erinnerte heute in ihrer Rede, in der sie Donald Trump zum Wahlsieg gratulierte, an die demokratischen Werte, die die Basis unseres Lebens und Handelns bilden: Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung.“

 

Dieser Werte gilt es sich zu erinnern, gerade auch als Christen.

Eine herzliche Einladung in Ihren Gemeinden einen Gottesdienst zu veranstalten zu diesem so wichtigen Tag am 10.12.2016.

 

„Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ (Gal 3,28)

 

 

 

Jennifer Scherf

 

 

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