"Warum ich das Forum unterstütze"

Micaela Krieger-Hauwede

Der Glaube, den ich in meiner Familie von Kindheit an erleben durfte, hat mir Freiheit und das Gefühl der Geborgenheit und des Angenommen seins vermittelt. Niemals war Glaube für mich mit dem dogmatischen Festhalten an Regeln oder betont konservativen Lebenseinstellungen verknüpft. Und genau das war es, was ich zur Wendezeit als Jugendliche in meiner Kirche bestätigt fand. Eher erstaunt habe ich im vergangenen Jahr beobachtet, wie einengend und maßregelnd Kirche dagegen auch sein kann. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der Glaube die freiheitsspendende, wohltuende und zukunftsweisende Kraft bleibt und als solche in die Welt ausstrahlt, als die ich ihn immer empfunden habe.


Paul und Markus Raschka

Kirche sind wir selbst, wir Christen - nicht "die da oben". Es geht nicht darum, sich zu streiten, sondern zu streiten um die Frage: "What would Jesus do?" Es geht nicht um Überreden oder Vereinnahmen, sondern um Aha-Sagen in gleichwertiger Verschiedenheit. Und zu streiten gibt es viel: "Darf man Götzenopferfleisch essen?" fragten die Christen vor zweitausend Jahren. "Darf man eine Frau ordinieren?" fragten die Christen vor fünfzig Jahren. Welche Bibelstellen "treiben Christum" und welche sind zweitrangig, ja hinderlich? Wie ist es mit den Homosexuellen? Wir beide  - Paul und Markus Raschka in Dresden  -  sind verpartnert (mit Standesamt und Kirche) und wissen uns von Gott zusammengeführt. Wir sind äußerst unterschiedlich in unserem Wesen, aber wir erleben, dass wir uns ergänzen, manchmal sogar ganz ideal. Wir sind dankbar für unsere jeweiligen Begabungen. Frei und fromm leben wir als Christen in unserer Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens. Aber: schwul und Christ  - darf man das? Gern kommen wir als Gäste in Ihre Hauskreise, Gemeindeabende oder andere Gemeindeveranstaltungen in gesamt Sachsen, damit Sie mit uns darüber ins Gespräch kommen können. Ohne Streit.


Wieland Keller

In einigen Bereichen & Gemeinden unserer Landeskirche wird die Bibel nicht mehr wirklich ausgelegt, sondern zunehmend als buchstabengetreue Richtlinie betrachtet. Das sich daraus ergebende Gedankengerüst ist in sich geschlossen, kaum angreifbar und somit in gewisser Weise auch einfach und bequem. Leider führen hiervon abweichende Sichtweisen in diesem Umfeld eher zu Ausgrenzung als zu einem konstruktiven Dialog.

Der Komplexität und Vielseitigkeit des realen Lebens und der Gesellschaft sowie den individuellen Lebenssituationen und Nöten der Menschen kann aber nur ein offener Austausch über alle aktuellen Glaubens- und Lebensfragen gerecht werden, bei dem sich Jeder auf die Lebenssituation und Sichtweise des Anderen wirklich einlässt.

 

Ich hoffe, dass die Initiative "frei und fromm" hierzu einen guten Beitrag leisten kann.


Tobias Mühlbach

Im Glauben ist Freiheit zu finden! Was aber Freiheit letztlich bedeutet muss ausgehandelt werden, vielleicht sogar dafür gestritten. Gegen Verengungen und Verklemmungen. Dabei ist mir wichtig, dass die Kraft für Freiheit und Veränderung gespeist wird. Dazu brauche ich den Glauben an Gott, an Jesus meinen Lehrer und Kumpel und an den Heiligen Geist, der mich leitet auf dem Weg des Lebens. Im Forum bin ich mit anderen Menschen unterwegs, frei und fromm eben! Und das ist gut so.


Hans-Jürgen Weist

Mir ist wichtig, dass die Bibel ernst genommen wird, „ohne sie wörtlich [zu] nehmen …“  Als homosexuell lebender (nicht „auslebender“) und liebender Christ fühle ich mich durch die Wertungen der SBI verletzt und diskriminiert.

Man kann Bibelstellen nicht zitieren, ohne den historischen Hintergrund zu berücksichtigen.

In Leviticus stehen eine Menge Ge- und Verbote, die keiner der konservativen SBI-Mitglieder auch nur im Geringsten einhält.


Ramona Baldermann-Ifland

Sich im Forum zu engagieren bedeutet für mich:

  • Raus aus der Isolation und mit anderen Menschen Kirche gestalten, die in Freiheit Glauben ermöglicht.
  • Aufatmen in einer Gemeinschaft, die dafür steht den anderen als Menschen zu begegnen.
  • Die Vielfalt des Lebens mit Freude betrachten und in ihr Gottes Schöpfung zu sehen.
  • Nein! zu sagen zu Diskriminierung innerhalb und außerhalb der Kirche.

 



Was die Initiatorinnen und Initiatoren bewegt

Christoph Maier, Pfarrer in Leipzig

Meine persönliche Entdeckungsreise mit der Bibel beflügelt und beglückt mich immer wieder. Umso mehr ärgere ich mich über einen Dogmatismus, der gegen den „Zeitgeist“ den Bekenntnisfall ausruft.

Gegen die Lähmung in unserer Landeskirche möchte ich klare Positionen beziehen und freue mich auf alle Bewegung – dafür oder dagegen.

Als Seelsorger erlebe ich, wie Menschen mit tradierten Glaubensvorstellungen ringen. Ich hoffe, dass Menschen durch die Arbeit des Forums ermutigt werden, ihre Gottesbilder loszulassen, um Gott ganz neu zu begegnen, frei und fromm.

 


Heiko Reinhold, Prädikant im Erzgebirge

Ich möchte meinen Glauben fröhlich, ernsthaft und vielfältig mit Herz und Hand leben. So stelle ich mir auch meine Landeskirche vor, damit sie einladend wirkt. Mittlerweile finden sich leider viele Menschen in ihr nicht wieder. Eine andere Schwerpunktsetzung könnte auch helfen, das medial oft einseitig vermittelte Bild zu korrigieren. Wir brauchen lebendige Gemeinden - das heißt für mich, dass ein reger Austausch stattfindet, dass theologisch informiert und konstruktiv gestritten wird, dass Konflikte benannt, ausgetragen und ausgehalten werden. Dass ich mich von Gottes Wort noch überraschen lasse, nicht auf jede Frage eine vorgefertigte Antwort weiß. Dass "Frömmigkeit" gleichzeitig als "Lebenstauglichkeit" geschätzt wird, die nichts mit Angst und Enge zu tun hat. Und dass Kirche ihren Platz in der Gesellschaft kennt und ausfüllt.

 


Tobias Funke, Theologe in Dresden / Radebeul

Mir ist es wichtig, dass innerhalb der Ev. Luth. Landeskirche Sachsen ein Forum existiert, in welchem theologisch Interessierte Fragen und Herausforderungen unserer traditionsbewussten Kirche in der pluralen Gesellschaft offen diskutieren können, ohne dabei gleich als "nicht fromm genug" oder als "zu politisch" abgestemmpelt zu werden. Solch ein offenes Forum habe ich z.B. am Forumstag 2016 erlebt und wünsche mir, dass möglichst vielen diese Erfahrung ermöglicht wird, gerade um dem Gefühl einer immer konservativer werdenden Sächsischen Landeskirche entgegenzuwirken. Das Forum ist somit Bestandteil einer sich Suchenden gegenüber öffnenden Kirche, die auf unterschiedliche Weise ihren Glauben leben können, und somit eine geistliche Heimat finden.


Jennifer Scherf, Vikarin in Leipzig

Golden Eyes Fotostudio Leipzig
Golden Eyes Fotostudio Leipzig

Ich liebe Gott und Gott liebt mich - so wie ich bin. Das glaube ich aus tiefster Überzeugung. Dass Gott und mein Glaube etwas sind, worüber ich nicht nur nachdenken darf, sondern nachdenken soll, das musste ich im Laufe meines Lebens erst entdecken. Befreit zu sein setzt voraus, frei sein zu wollen. Das kann ein schwerer Prozess sein.

 

Das Ringen um das „Wort“ ist für mich eine Herausforderung und Herzensangelegenheit. Jedoch findet es seine Grenzen, wenn die Schrift missbraucht wird und der Mensch sich selbst und seine Auslegung zur göttlichen Autorität macht. Dort wird das Gebot der Nächstenliebe auf leeres Gerede und falsch verstandene Seelsorge reduziert.

 

Es geht mir darum, ein Zeichen zu setzen für Solidarität, Offenheit und Liebe in all ihren verschiedenen Formen. Ich wünsche mir einen offenen Dialog, der nicht auf dem Rücken einzelner ausgetragen wird und Gottes Zuwendung und Offenbarungswirken in allen Menschen ernst nimmt.

 


Dr. Kathrin Mette, Pfarrerin in der Dahlener Heide

Die Welt der christlichen Religion ist reich und vielfältig. Das gilt für ihre heiligen Texte, für ihren Symbolbestand, ihre Ausprägung bei den Gläubigen, ihre Bekenntnistradition und für die Kunst, die sie hervorgebracht hat. Diese Vielfalt spiegelt den Sachverhalt wider, dass wir es in der Sphäre der Religion meiner Auffassung nach immer mit Deutungen zu tun haben.

 

Um die angemessene Deutung religiöser Erfahrungen darf nicht nur, sondern muss sogar gerungen werden, vor allem dann wenn diese in irgendeiner Form verallgemeinert werden, sich also z.B. in kirchlicher Gesetzgebung niederschlagen. Die Kriterien solchen Ringens sind aus meiner Sicht zum einen die zentrale Glaubenserfahrung der „Menschlichkeit unseres Gottes“, zum anderen aber auch das Bemühen, das gegenwärtige humane und das christliche Bewusstsein miteinander zu vermitteln. Die Arbeit des Forums verstehe ich als Beitrag zu diesem Ringen und v.a. auch als Erinnerung daran, dass solches Ringen erlaubt ist. Eine Glaubensgemeinschaft, die sich dieser Einsicht verweigert, macht mir Angst.

 


Christian Kurzke, Studienleiter in Meißen

Seitdem ich mich in unterschiedlicher Form in „Kirche“ bewege, beeindruckt mich immer wieder, wie ganz verschiedene Menschen an Gott glauben, im Glauben und in der Kirche ein Zuhause, Geborgenheit, Kraft und Antworten finden und sich zugehörig fühlen. Mit den Antworten des Glaubens fühlen sie sich bestärkt darin, ihr eigenes Leben zu gestalten, auch wenn sie ggf. vor neuen Fragen stehen.

 

Diese Gestaltungskraft ist mir Motivation genug, andere auf diese Kirche, auf diesen Glauben aufmerksam zu machen, sie zur Begegnung mit diesen einzuladen - und vielleicht auch zu folgen. Und mir begegnet auch immer wieder, dass „meiner“ Kirche von Dritten zugesprochen wird, Grenzen überwinden zu können für eine Gerechtigkeit in der erlebbaren Vielfalt. Was für ein hohes Gut für unsere Gesellschaft, für unser Miteinander! Unsere christliche Kirche muss christliche Kirche mit vielfältigen Glaubenserfahrungen und empfundenen Wirkungen des Evangeliums sein können. Auch das verbinde ich mit dem Begriff „weltoffen“. Menschenwürde genauso wie christliche Nächstenliebe leben können und zugleich eben ggf. auch einfordern müssen, gehören für mich daher zusammen. Dabei bin ich davon überzeugt, dass kirchliches Leben sich nicht frei von gesellschaftlichen Entwicklungen und Realitäten gestalten kann. Denn gehören in der christlichen Rede Gott, Welt und Mensch nicht untrennbar zusammen? Und was wäre das für eine Kirche - oder besser eine Gerechtigkeitsvorstellung der christlichen Gemeinde - wenn sie Grenzen nicht mehr überwindet, sondern setzt?

 

Es ist wichtig, für ein gemeinsames Nachdenken darüber immer wieder Verständigungsmöglichkeiten zu schaffen. Das ist mir ein Anliegen.

 


Christian Behr, Superintendent in Dresden Mitte

Ich erlebe als Superintendent viele Kirchgemeinden mit einem reichen Gemeindeleben, die großen Citykirchen im Zentrum von Dresden und die größeren und kleineren Gemeindekirchen mit ihrem Schutzraum  – und darin Christenmenschen mit vielen Fragen. Ich möchte befördern, dass wir uns in unserer Landeskirche mit unseren Fragen auseinandersetzen und dies nicht nur den dafür auch zuständigen Gremien überlassen. Wir müssen über unseren Glauben ins Gespräch kommen, uns aber auch den gesellschaftlichen Anforderungen unserer Zeit nicht verschließen.
In meiner Studienzeit in Jena habe ich die nachdenklichen, erzählenden und missionarischen Töne von Prof. Klaus-Peter Hertzsch kennen und lieben gelernt, die nie nur auf den kirchlichen Raum beschränkt blieben. Gleichzeitig wurde Mitte bis Ende der achtziger Jahre deutlich, dass wir als Christenmenschen und Kirche im besonderen Maß gesellschaftliche Verantwortung tragen. Dies habe ich dann als Pfarrer in Grimma bei der Bewältigung der Hochwasserkatastrophe von 2002 in Zusammenarbeit von Kommune und Kirchgemeinde aber auch beim Engagement gegen einen erstarkenden Rechtsextremismus mit umsetzen können. 
Dazu möchte ich heute im Forum bewirken, dass Christenmenschen, die sich leider auch in unserer Landeskirche aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr angesprochen oder ausgegrenzt fühlen, wieder einen Grund finden, sich in ihr heimisch zu fühlen. Für mich war die Evangelische Kirche zeitlebens eine offene und schützende Heimat, die sich immer wieder auf die Menschen in ihrer Zeit zubewegt hat. Dies benötigt eine offene und barmherzige Grundhaltung allen Menschen gegenüber, die vom biblischen Zeugnis geprägt ist.
Dies möchte ich gerne theologisch reflektieren und mit vielen Menschen diskutieren. Dafür bietet unser Forum einen Raum.


Dr. Barbara Zeitler, Supervisorin in Leipzig

Ich bin Christin und brauche die lebendige, suchende und feiernde Gemeinschaft im Vertrauen auf den biblisch bezeugten Gott. Ich bin dankbar für die Kirche, die der Freude und der kritischen Klarheit der biblischen Texte Raum und Stimme gibt.

Im „Gesprächsprozess“ und mit der Wahl von Dr. Carsten Rentzing zum Landesbischof hat sich gezeigt, wie stark und politisch geschickt die „Bekenntnisinitiative“ innerhalb und außerhalb der Synode agiert und dass sie im Augenblick die sächsische Landeskirche prägt.

Mir liegt daran, dass sich mit dem Forum ein Raum öffnet, in dem die Gemeinschaft der Verschiedenen erlebbar wird und in dem theologisch und (kirchen-)politisch diskutiert, formuliert und agiert werden kann. In der aktuellen politischen Lage mit den Ängsten, die hemmungslos geschürt und den Zäunen, die gebaut werden, haben Christinnen und Christen und die Kirche aus meiner Sicht die Aufgabe, Grenzen zu zeigen und zu überschreiten, so wie es Christus getan hat.


Frank Martin, Pfarrer in Leipzig

In der kleingeistigen Enge des DDR-Atheismus habe ich die Kirche als einen Raum der Freiheit erlebt und das Evangelium als befreiende Kraft. Heute habe ich oft das Gefühl, daß die Kirche unter anderen Vorzeichen zu einem Hort der geistigen Enge gemacht wird, der das Licht des Evangeliums verdunkelt. Statt der Konservierung vergangener Fehler geht es aber darum, die Relevanz des Evangeliums für unsere Zeit zu erweisen. Dazu bedarf es einer gemeinschaftlichen Verständigung. Meine Hoffnung ist, daß das Forum dafür einen Rahmen bietet.

Von allen Geschichten des Neuen Testaments inspirieren mich am stärksten die Erzählungen, in denen Jesus den Frommen entgegentritt, wenn sie Steine schmeißen wollen oder aus ihrem Scheinwissen um Gott eine Mauer bauen, um andere auszugrenzen. Auch das ist eine Hoffnung für das Forum, daß es uns gelingt, Brücken zu bauen. Dazu gehört für mich die Bereitschaft, andere zu akzeptieren – aber nicht auf Kosten derer, die zum Opfer gemacht werden sollen.

 


Christiane Dohrn, Pfarrerin in Leipzig

Ich engagiere mich im Forum, weil ich es unerträglich finde, wenn die Vielfalt biblischer Traditionen verengt wird auf eine eindimensionale Richtschnur und Norm; wenn ein Sündenbegriff propagiert wird, der Menschen u.a. aufgrund ihrer sexuellen Orientierung abwertet.

Ich engagiere mich im Forum, damit Kirche Heimat bleibt, die Weite atmet.

Kirche ist mir ein Zuhause. In der Zeit der DDR war sie mir wichtig als Raum für freies Denken und offene Worte. Dieses Zuhause wurde weit, in dem es mit Menschen geteilt wurde, die vom realexistierenden Sozialismus ausgegrenzt und/oder abgeschoben wurden. Kirche bot Raum für Widerspruch und Widerstand gegen gesellschaftliche Missstände. Die Bibel wurde im Kontext der Zeit gelesen und verstanden. Daraus erwuchs innere Kraft. In meiner Heidelberger Studienzeit habe ich erfahren, wie Christsein und politisches Engagement gegen Krieg und Umweltzerstörung zusammen gehören. Als Pfarrerin im Erzgebirge konnte ich erleben, dass in Kirche und Gemeinde Platz ist für unterschiedliche Frömmigkeiten. Kirche hat Relevanz, wenn ihre Repräsentanten die Menschen vor Ort ernst nehmen und ihnen begegnen.

Inspiriert von befreiungstheologischen Ansätzen ist mir wichtig, gemeinsam die Bibel zu lesen als dynamische Quelle, die hilft zu sehen, zu urteilen und zu handeln.

 


Almut Klabunde, Supervisorin in Dresden

Warum ich beim Forum mitmache

1. Weil  Wertvolles in der Kirche bewahrt bleiben soll

Ja, das ist meine konservative Seite: Ich möchte, dass in der sächsischen Landeskirche etwas von dem bewahrt bleibt, was sie mir in meinen jungen Jahren so wertvoll gemacht hat:

  • Orte  freien und aufrichtigen Denkens und Redens
  • Räume der Begegnung auf Augenhöhe
  • Gemeinsames Suchen nach einer in dieser Welt engagierten Spiritualität

Ich glaube, dass das Forum solche Orte, Räume und Suchbewegungen sichtbar machen wird.

 

2.   Weil ich Diskriminierung und Ausgrenzung für einen Irrweg halte.

Die Christenheit hat einen fast zweitausendjährigen Lernprozess mit Jesu Befreiungsbotschaft  hinter sich. Immer mehr weitete sich ihr Horizont, immer klarer wurde, was es bedeutet, ausnahmslos alle Menschen als Töchter und Söhne Gottes  anzusehen:  Ferne und Nahe, Freie und Sklaven, Männer und Frauen, Hetero -, Homo– und Transsexuelle … Ich möchte nicht, dass wir in der sächsischen Landeskirche  hinter diesen Lernprozess zurückfallen – indem z.B. die Ordination von Frauen wieder in Frage gestellt wird oder Menschen, die einen gleichgeschlechtlichen Partner haben, der Zugang zum Gemeindepfarramt nur unter entwürdigenden Bedingungen möglich sein soll.

Ich hoffe, dass das Forum einen Beitrag zu weniger Ausgrenzung und Diskriminierung unter uns leistet.

 

3.      Weil  mir theologische Klärungen wichtig sind.

Der kirchliche Aufmerksamkeitsfokus verschob sich in den letzten 20 Jahren stark in Richtung organisationale Selbsterhaltung. Angst vor Kirchenaustritten untergräbt die Bereitschaft von Leitungsorganen sich theologisch klar zu positionieren. Für viele Menschen in der Kirche wird immer undeutlicher, was denn nun die gemeinsamen  theologischen Grundlagen in der Landeskirche sind. Ich habe die Sorge, dass die Landeskirche theologisch immer enger wird.  Es ist wieder einmal an der Zeit zu diskutieren, welche theologischen Grenzen wirklich nötig sind und welche Weite die Landeskirche braucht, damit in ihr – in Treue zu ihrem reformatorischen Selbstverständnis -  auch weiter Suchen, selbstkritisches Fragen und echter Dialog mit Andersdenkenden möglich bleiben. 

 

Ich  erwarte, dass das Forum einen Rahmen für aufmerksame Gespräche über das Verstehen des Glaubens bildet.

 


Karl-Heinz Maischner, Pfarrer und Erwachsenenbildner in Dresden

Viele befreiende Erfahrungen in meinem Leben habe ich meinem Glauben zu verdanken und den Menschen, mit denen ich unterwegs war und bin. Durch sie habe ich einen liebenden und zärtlichen Gott kennen gelernt. Ich habe gelernt, den Glauben anderer Menschen wertzuschätzen, sei er meinem eigenen nah oder fern. Ich habe gelernt, nicht zuerst nach Dogmen, Riten oder Formen des Glaubens zu fragen, sondern nachzuspüren, welche Geistkraft Herzen und Sinne der Frauen, Männer und Kinder bewegt, die mir begegnen, mit mir unterwegs sind.

 

Diese Erfahrungen möchte ich teilen, will vertrauend auf die Heilige Geistkraft Gottes Ängste und Grenzen überwinden, möchte einstehen für ein befreites Leben als schon immer geliebtes Kind Gottes und ich will all denen widerstehen, die Ängste und Hass verbreiten, die die Schöpfung mit Füßen treten und die sich über andere Menschen erheben.

Dazu brauche ich die spirituelle Gemeinschaft derer, die in unserer Kirche ähnlich unterwegs sind, brauche ich Auseinandersetzung und Ringen um Klarheit. Deshalb bin ich Mitglied der Initiativgruppe des Forums für Gemeinschaft und Theologie.


Doris Kriegel

Authentische Christenmenschen, die auf der Schrift basierende Ideale und Prinzipien haben ohne dabei an dogmatistischen Pauschalisierungen zu zerbrechen.

Mutige Gemeinden, die Begegnungen unter den verschiedensten Menschen ermöglichen und nicht ausgrenzen oder das Fremde als etwas Bedrohliches sehen.

Eine Kirche, die öffentlich Position bezieht gegen jegliche Form von Paternalismus, Extremismus, Konsumismus und Neokolonialismus in allen Teilen der Welt.

Lebendiger Glaube, der trägt und begeistert, ohne zu vereinnahmen.

Kritische Theologie, die differenzierte Fragen stellt und keine vereinfachten Antworten gibt.

 

All das vermisse ich all zu oft in der Repräsentation der Sächsischen Landeskirche. Dass diese Weise Christus nachzufolgen, trotz allem in den Kirchen zwischen Zittau und Zwickau oft genug ganz frei und fromm praktiziert wird, soll erfahrbar werden. Dafür engagiere ich mich im Forum. ...weil ich nicht Nichts tun kann.