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Frischer Geist für unsere Kirche

Forum für Gemeinschaft und Theologie gegründet

 

Passend zum Pfingstfest geht diese Plattform für einen neuen Geist in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens online. Das Forum für Gemeinschaft und Theologie. Zunächst als virtuelles Forum konzipiert, möchte die Bewegung Menschen versammeln, die sich einen progressiven Geist in der sächsischen Landeskirche wünschen. Gleichzeitig laden die Initiatoren und Initiatorinnen zu einem Forumstag am 27. August in die Leipziger Peterskirche ein. 

 

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Sächsisches Forum für Gemeinschaft und Theologie geht an den Start:
Pressemeldung 18.05.2016.pdf
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Allgemeine Anregungen und Kommentar zu diese Projekt können Sie gerne hier in unserem Gästebuch hinterlassen:

Kommentare: 17 (Diskussion geschlossen)
  • #17

    Frank Martin (Donnerstag, 29 September 2016 07:56)

    Liebe Frau Veit,
    wir alle sind irgendwo eingebunden, weshalb die Reaktionen manchmal auf sich warten lassen. Ich möchte Ihnen aber sagen, daß ich Ihre Worte sehr ermutigend finde. Herzlichen Dank dafür.
    Und herzliche Grüße
    Frank Martin

  • #16

    Anne Veit (Samstag, 24 September 2016 18:53)

    Liebe Forumbetreiber/innen,

    ich habe jetzt eine ganze Weile lang dieses Forum durchblättert, neugierig gelesen und mich gefreut: Gott sei Dank, dass es Menschen wie Sie gibt und dass Sie Geist und Kraft in diesen Versuch stecken, offen zu legen, dass Kirche nicht ausschließlich der konservative und verkrustete Verein ist, als der sie oft erscheint – insbesondere in Sachsen. Zum Glück zähle ich nicht zur sächsischen Landeskirche, ich glaube, da wäre ich inzwischen ausgetreten.

    Derzeit lerne ich meinen Glauben neu kennen und studiere die Hintergründe. Nicht alles, was ich dabei entdecke, gefällt mir, ich hinterfrage liturgische Formen und Bekenntnisse und habe manchmal den Eindruck, ich werde mit meinem Glauben nicht in diese Kirche passen. Aber ich erfahre auch die Lebendigkeit und Offenheit vieler Christen, die ich immer wieder diskursfähig und diesbezüglich auch belastbar erlebe, die nicht durch jeden Zweifel vom Grundsätzlichen abzubringen sind und die gut andere Deutungen neben der ihnen wichtig gewordenen stehen lassen können.

    Ich wünsche diesem Forum, dass sich die Diskussionen noch etwas verlagern werden. Mein Eindruck ist, dass derzeit (vielleicht normal, wenn so ein Forum neu startet) die weniger erquicklichen Diskussionen mit Menschen überwiegen, denen dieses Forum eine Anfechtung ist und somit müssen ständig Positionen und Ansichten verteidigt werden, die es eigentlich verdient hätten, gemeinsam weitergedacht zu werden. Aber aus Frontalangriffen und Provokationen entwickelt sich selten Konstruktives. Ich wünsche dem Forum, dass es noch mehr zu gemeinsamem Nachdenken kommen kann über die interessanten theologischen Ansätze, die hier zu lesen sind.

    Mir macht Ihre Arbeit Mut, einen Platz in dieser Kirche finden zu können und suchen zu wollen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Anne Veit

  • #15

    Frank Martin (Montag, 04 Juli 2016 14:07)

    Sehr geehrter Herr Schaarschmidt,
    Martin als Anrede reicht. Wenn Sie das Gefühl haben, daß ich Sie dumm oder lächerlich erscheinen lasse, bitte ich Sie um Entschuldigung.
    Daß ich persönlich reagiere, liegt daran, daß ich kein Professioneller bin, sondern Christ aus Leidenschaft. Einer, dem die Kirche sehr wichtig ist – aus verschiedenen Gründen. Dazu hatte ich gerade letzte Woche ein paar Ausführungen in meiner Gemeinde gemacht.
    Ich glaube nicht, daß wir das Vater-Unser nicht zusammen beten könnten. Das können wir ganz bestimmt.
    Außerdem sprach ich vom gemeinsamen Maßstab, nicht von den Grundlagen. Da sehe ich schon einen Unterschied.
    Der Hinweis auf die Irrlehrer ist wieder irgendwie bezeichnend. Ich zumindest vollbringe nichs großes. Ich versuche, gemeinsam mit den Menschen in meiner Gemeinde nach Gott zu fragen und das Evangelium zu bezeugen. Die großen Dinge werden an anderen Orten vollbracht.
    Wenn Sie Gottes Willen/ Weg für sich suchen, ist das sehr in Ordnung. Suchen Sie sich zeitgleich Leute, die die Antworten kritisch hinterfragen, die Sie finden. Solange Sie Gottes Weg und Willen nicht für andere suchen, will ich das Ergebnis gern aushalten.
    Beantworten Sie noch meine Frage, was Sie meinen, wenn Sie von Gottes Wort sprechen?
    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Martin

  • #14

    Matthias Schaarschmidt (Montag, 04 Juli 2016 09:37)

    Lieber Herr Martin Frank,
    ich finde, was Sie mir vorwerfen, wenden Sie auch selbst an. Wir reden aber völlig aneinander vorbei (z.B. Tat-Sünde / Grund und Bedeutung der Mensch-Werdung Gottes / Ehe). Sie lassen mich dumm und lächerlich erscheinen, adeln mich gleichzeitig aber auch mit Ihren Ausführungen.
    Sie reagieren m.E. auch sehr persönlich, was mich bei dem Thema und Ihrer Ausbildung doch etwas überrascht (sollte das, was Sie sind (ein Prüfender, kein Fundamentalist), nicht aus Ihrem Geschriebenen / Gesagtem hervorgehen? Warum betonen Sie es so?).
    Da wir nun gar keine gemeinsame Grundlage finden (ich weiß nicht, ob wir wenigstens ein Vaterunser gemeinsam beten könnten?), möchte ich diese persönliche Auseinandersetzung beenden.
    Es ist mir eine wichtige Erfahrung, es regt mich sehr zum Nachdenken an; ich habe das auch ausgedruckt.
    Ihre Ausführungen zur Toleranz habe ich gelesen. Wir setzen uns damit auseinander, dass der Heilige Geist »weht wo er will« und dass Irrlehrer auftreten, die auch große Menschenmassen begeistern und Unglaubliches vollbringen können.
    Nicht umsonst heißt es: »Eng ist die Pforte und schmal der Weg ...«. Toleranz in verschiedener Deutung ist gar nicht mal die Frage; entscheidender scheint mir: Was ist Gottes Wille / Gottes Weg für mich?
    Nun möchte ich noch Ps. 139, 50, 16 nennen, in Anlehnung an den heutigen Lehrtext.
    Viele Grüße!

  • #13

    Frank Martin (Samstag, 02 Juli 2016 13:41)

    Sehr geehrter Herr Schaarschmidt,
    um dem aber noch eine andere Note zu geben, gestatten Sie bitte eine Frage? Was meinen Sie, wenn Sie sagen: "Die Bibel ist Gottes Wort."? Als Konvention kann ich das verstehen. Aber für Sie scheint das ja mehr zu sein.
    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Martin

  • #12

    Frank Martin (Samstag, 02 Juli 2016 10:01)

    Sehr geehrter Herr Schaarschmidt,
    vielen Dank für Ihre polemischen Erörterungen. Ich finde es immer sehr hilfreich für ein Gespräch, wenn man versucht, das Gegenüber möglichst falsch zu interpretieren. Aber gern noch ein bißchen Polemik zurück.
    Die Aussage, daß alles Seinende – sofern es seiend ist – gut sei, ist eine tiefe Überzeugung etwa des Thomas von Aquin, der sich dabei auf Augustinus berufen kann. Schlecht ist es nur als Raub des Guten – das Schlechte hat keine Seinswirklichkeit, weil Gott ja nichts schlechtes gemacht haben kann, alles Seiende aber sein Sein von Gott hat.
    Zu Ihrer Polemik bezüglich meiner Sicht: Natürlich bin ich überzeugt, daß ich recht habe. Wenn ich bemerke, daß ich mich irre oder sogar getäuscht habe, ändere ich meine Meinung. Aber ich erlaube allen ihre Sicht – im Unterschied zu etwa Fundamentalist*innen. Dazu könnten Sie den Text unter "Kirchenpolitik" lesen.
    Das, was Sie unter Sünde verstehen, scheint mir vereinfacht unter dem Begriff der Tat-Sünde zu fallen. Nun, die ist ein Problem, aber kein großes. Sünde ist kein moralischer Begriff.
    Daß Ihnen die Mensch-Werdung Gottes in ihrem Ernst lächerlich erscheint, verblüfft mich nach dem zweiten Text nicht wirklich.
    Aussagen der Bibel werden nicht umgedeutet. Sie müssen verstanden werden. Dazu muß man wissen, wie die Texte gemeint waren, als sie aufgeschrieben wurden.
    Die Ehe, von der wir heute reden, hat mit den Ehen, die im AT – und bis ins 19. Jh. hinein – nicht mehr viel zu tun. Das hängt mit der Emanzipation der Frauen zusammen – etwas, was nur zu begrüßen ist. Ehen waren Abhängigkeitsgemeinschaften. Ach, Sie könnten das alles selber lesen. Das ist ja gut belegt und untersucht. Aber Vorsicht: Mitunter können Meinungen durch Fakten verwirrt werden.
    Ich urteile nicht über andere Ehen. Und die Ehe wird nicht dadurch aufgewertet, daß auch gleichgeschlechtlich Liebende die Ehe schließen können. Sie wird dadurch aber auch nicht abgewertet.
    Wer will denn die Ehe abschaffen?
    Der Rest ist mir zu billig – entschuldigen Sie bitte. Lesen Sie mal in den Evangelien, wie die Pharisäer mit genau der Haltung, die aus Ihren Texten spricht, an Jesus vorbeigegangen sind. Aber natürlich: Die Pharisäer sind immer die anderen! Das galt allerdings auch für die Pharisäer damals schon.
    Und nehmen Sie den Gedanken aus dem Text zur Toleranz bitte sehr ernst: Wir haben keinen gemeinsamen Maßstab, aber nur eine Welt. Also müssen wir uns auf eine gemeinsame Haltung einigen.
    Wie ich dazu stehe, habe ich formuliert. Jetzt könnten Sie dran sein.
    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Martin

  • #11

    Matthias Schaarschmidt (Samstag, 02 Juli 2016 08:37)

    Sehr geehrter Herr Martin, vielen Dank für Ihre ausführlichen Erläuterungen, die mir zum Verständnis geholfen haben. Sie enthalten einige zentrale Aussagen, die ich wie folgt zusammenfassen möchte:

    Sie erlauben genau eine Sicht der Dinge; der »Wissensinhaber« sind Sie. Alles Geschaffene ist gut; das Denken und Handeln des Menschen wird dem Geschaffenen zugeordnet.

    Sünde / Schuld kann nicht als wesenhafte Trennung / Abwendung von Gott erfasst werden, die dem Menschen nunmehr anhaftet und nur durch Jesus Christus gelöst werden kann. <Römer 6>

    Der Spruch »Mach es wie Gott. Werde Mensch.« impliziert, dass der Mensch / das Menschliche ein erstrebenswertes Ziel sei, dem auch Gott nachgekommen ist. (Möglicherweise eine vollständige Verdrehung und Lächerlichmachung der Erlösungsmöglichkeit Gottes?)

    Aussagen der Bibel werden umgedeutet, z.B. durch die Relativierung des Ehebruches. Diesbezüglich gibt es Gebote: Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht begehren deines Nächsten Dinge ...

    Die Ehe ist ein schmutziges Ding, weil in ihr Gewalt und Ausbeutung vorkommt (Ihr Unterton scheint, dass die meisten Ehen »schlecht« sind). (Dazu passt nicht, dass die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gefordert wird; soll damit die Ehe »aufgewertet« werden, weil dann mehr »liebevolle« Ehen bestünden?
    Ist dann nicht allen Beteiligen mehr geholfen, die (sowie verderbte) Ehe gänzlich abzuschaffen (dann gibt es auch keine Unterschiede / Vorteile mehr)? Ist Liebe nicht mehr als sexuelle Begierden und das Vermögen des Partners?)

    Die »Geschichten« von Jesus Christus machen deutlich: Jeder Mensch (ohne Ansehen der Person, der gesellschaftlichen Stellung, der seelischen und körperlichen Beschaffenheit, Vermögens usw.) hat die Möglichkeit, von Gott an- und aufgenommen zu werden.
    Die Geschichten machen nicht deutlich, dass damit eine Umkehr des Menschen, eine Veränderung des Denkens und Handeln einhergeht bzw. notwendig wird, hin zu Gott.
    Die Aufforderung Jesu »und sündige hinfort nicht mehr« wird unterschlagen.

    Die Bibel ist nicht das Wort Gottes. Es wird ein Teil des Gotteszeugnisses verworfen, denn das Geschriebene (von früher Festgehaltene) soll nicht verkündigt werden; nur die »Geschichten von Jesus«(?) und »heutige« Erlebnisse / Gefühle bezeugt werden. (Wir können nicht bezeugen, was wir nicht selbst gesehen / erlebt haben.)

  • #10

    Kathrin Mette (Mittwoch, 29 Juni 2016 14:49)

    Lieber Frank, sehr geehrter Herr Schaarschmidt, ich würde theologisch nicht so weit gehen zu sagen, "soweit die Welt ist, ist sie gut". Philosophisch betrachtet handelt es sich dabei -- wenn ich das richtig sehe -- um einen sog. "naturalistischen Fehlschluss". Nur weil es etwas gibt oder weil es "natürlich" vorkommt, ist es noch nicht gut oder schlecht. Der Hallenser Professor bei dem ich studiert hab, hat das etwas spitz so illustriert: Auch Krebszellen kommen natürlich vor. Sind sie deshalb schon gut?
    Und auch wenn man in die Bibel schaut ... dann gibt es beides: Den Lobpreis der Schöpfung (etwa in vielen Psalmen), aber genauso auch Aussagen von der "finsteren und sündigen Welt" (etwa im Johannesevangelium). Daran kann man gut erkennen, dass es eben eine Frage der Perspektive oder eine Frage der Deutung ist wie man die Welt wahrnimmt, auch theologisch. Offenbar gibt es Situationen, in denen das eine und solche in denen das andere angemessen ist. Was wir wann betonen ... darüber müssen wir theologisch Rechenschaft ablegen und darüber können wir auch gerne streiten.
    Insofern möchte ich den Eingangsatz von Frank Martin unterstreichen: Beim Glauben oder bei der Frömmigkeit und seiner / ihrer Reflexion (also der Theologie) geht es um Deutungen, nicht um Wissen.

  • #9

    Frank Martin (Donnerstag, 23 Juni 2016 18:05)

    Sehr geehrter Herr Schaarschmidt,
    ich sehe genau ein Problem: Sie scheinen zu wissen, wie es ist. Aber so ist es eben nicht. Fast alles von dem, was Sie schreiben, ist im Sinne einer christlichen Theologie falsch. Die Welt ist nicht Sünde. Soweit die Welt ist, ist sie gut – wie alles, soweit es ist, gut ist.
    Kirche hat nicht tolerant zu sein – da gebe ich Ihnen recht. Aber wir sollten es sein – dazu bitte unter "Kirchenpolitik" lesen. Eine Alternative dazu bietet der IS, eine andere finden Sie in der Geschichte von Elia. Wenn Sie das lieber wollen, wird es wirklich schwierig.
    Toleranz hat allerdings dort eine Grenze, wo Menschen andere Menschen zu Mitteln für eigene Zwecke machen. Dazu später. Und dazu höre ich kaum ein Wort der Kritik von den sogenannten Frommen.
    Weltoffen muß die Kirche sein – offen zur Welt. Diese Überzeugung steht natürlich im Widerspruch zu dem, was gerade evangelikale Kreise oft meinen. Dazu gehört auch, daß Kirche menschlich sein muß, da sie eine Stiftung Gottes ist. Und dazu paßt der etwas plakative Spruch: Mach es wie Gott. Werde Mensch.
    Welche Sünde wollen Sie denn benennen? Daß zwei Menschen gleichen Geschlechts, die sich lieben und füreinander Verantwortung übernehmen, miteinander Sex haben? Oder das zwei Menschen einfach so miteinander Sex haben – einfach, weil sie Lust dazu haben? Oder meinen Sie die Sünde, daß wir in Europa fast die gesamte Welt ausbeuten, damit unser sozialer Frieden nicht leidet und unsere "Armen" billig Klamotten und wir alle billigen Elektroschrott kaufen können? Oder die Sünde, daß wir die, die dann aus dieser Armut, die wir zu verantworten haben, fliehen, im Mittelmeer ersaufen lassen? Ein Vorwurf Jesu an die Pharisäer: Ihr seiht Mücken und verschluckt Kamele. Und da sind wir noch nicht bei unseren Waffenexporten.
    Homosexualität ist keine Sünde. Sexuelle Ausbeutung ist Sünde – egal, wer wen ausbeutet. Und die kommt sogar in der Ehe vor. Wissen Sie übrigens, was das "Sündhafte" in der Geschichte mit der Ehebrecherin war? Da wurden die Eigentumsrechte des Mannes verletzt. Es gibt Situationen, da ist die Eheschließung eine größere Sünde als ein Ehebruch. Das hat auch etwas mit dem Zeitgeist zu tun.
    Der Zeitgeist wird in der Kirche aufgenommen. Nur wird in Sachsen und bei evangelikal-fundamentalistischen Christ*innen vor allem der Zeitgeist von vorgestern verehrt. Der hat heute übrigens wieder Konjunktur.
    Es gibt keine gemeinsame Ebene und keinen gemeinsamen Maßstab zwischen verschiedenen Gruppen in der Landeskirche. Deshalb müssen wir uns nach meiner Überzeugung um eine gemeinsame Haltung bemühen. Ich will annehmen, daß viele Menschen in evangelikal-fundamentalistischen Gruppen so denken und handeln, weil ihnen Gott wichtig ist. Ich sehe zwar nicht, wie sie das mit den Geschichten zusammenkriegen, die uns im Neuen Testament von Jesus erzählt werden. Aber das muß ich ja auch nicht.
    Kirche hat das Wort Gottes – und das ist nicht die Bibel, das ist Jesus Christus – nicht zu verkündigen, sondern zu bezeugen. Und da bin ich ganz bei Ihnen. Da ist noch viel Luft nach oben. Und ja, es gibt Propaganda und Unfug. Ich stöhne manchmal, wenn ich manche Verlautbarung zur Kenntnis nehme. Das gilt für die EKD als ganze als auch von Landeskirchen oder Gemeinschaften. Aber das ist auf allen Seiten so. Bei manchen religiösen Sondergruppen – wie etwa dem Evangelisationsteam - bin ich froh, daß ich mich distanzieren kann.
    Aber das gehört zu einer Volkskirche. Da kommt vieles zusammen, was nicht unbedingt zusammengehört. Ich will die anderen aushalten. Nicht gern, aber aus Überzeugung. Aber – wie schon mehrfach hier formuliert – nicht zu lasten anderer.
    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Martin

  • #8

    Matthias Schaarschmidt (Donnerstag, 23 Juni 2016 15:54)

    Ich verstehe Ihr Anliegen, finde aber, dass Sie »Kirche« mit etwas füllen wollen, was dort nicht hineingehört.

    Wer sagt, dass christliche Kirche »tolerant, weltoffen, menschlich« sein müsste?
    Tolerant geht gar nicht, da der eigene Glaube DIE Erkenntnis beinhaltet und es um die Verbindung mit dem Schöpfergott geht.
    Weltoffen geht gar nicht, denn in der Welt ist Sünde / Schuld. Es geht darum, diese zu benennen und zu erkennen. Christliche Kirche ist eine »eigene Welt«, die allerdings auch IN der Welt wirkt.
    Nichts Menschliches ist uns fremd, aber Gott will die Umkehr des Menschen und Ausrichtung auf ihn. Siehe auch der Vergleich des Paulus mit dem Gläubigen als Sportler. Gott ist heilig; Jesus sprach besonders die Sünder an, und trug jedem auf »... und sündige hinfort nicht mehr!« Umgekehrt sagte er nie so etwas wie: Tut weiter so!

    Sie behaupten, dass Menschen die (sächsiche Landes-) Kirche verlassen, weil die Anliegen z.B. Gender, Homosexualität, Zeitgeist nicht aufgenommen werden, sondern sofort »tot« geschlagen werden.
    Ich behaupte, dass Menschen sich von »der« Kirche abwenden, weil »Genderwahn, Homosexualität, Zeitgeist« schon in der Kirchenleitung und Verkündigung angekommen sind und bestimmenden Raum einnehmen. Das ist so ziemlich die gegenteilige Ansicht der Ihrigen.
    Deshalb finde ich das »ins Gespräch kommen« schon arg schwierig, wenn bereits die Ausgangslage ganz anders wahrgenommen wird. Wie kann die gemeinsame Ebene aussehen?

    Vorrangige Aufgabe der »Kirche« sehe ich in der Verkündigung des Wortes Gottes (wie es überliefert ist); Fragen und Gebet an Gott für unseren Lebensweg (keine neuen Auslegungen); Anregung zur Heiligung; »Ermahnung« der Menschen und der Regierungen und Anhalten zur Fürbitte; Bekenntnis des christlichen Glaubens (nicht von Ansichten, Meinungen, Theologien, Propaganda).

    Die weiteren Lebensbereiche finden dabei »von selbst« einen entsprechenden Stellenwert und persönliche Lebenswege werden möglich (so wie bisher auch), ohne dass Fahnen wehen müssen.
    Ich sehe auch hier Schwierigkeiten in der Begegnung untereinander, da wir schon nicht mehr ohne Vorurteile herangehen und uns schwerlich brüderlich und schwesterlich begegnen (sondern eben nur mit Vorbehalt »das ist DER, das ist DIE«) (s.o.).

    Die Organisation Kirche ist inzwischen zu groß, von Selbst-Verwaltung gelähmt, mit fremden Angelegenheiten beschäftigt und die Verbindungen zur Politik sind zu luxuriös.
    Man stelle sich vor, »Kirche« in der DDR hätte sich damals anders verhalten!

    Meine Ausführungen erheben dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
    Helfe uns Gott!

  • #7

    Günter Riedel (Freitag, 27 Mai 2016 21:35)

    Sehr geehrter Herr Schlesinger,
    dieses Forum ist kein Sargnagel für unsere Landeskirche, sondern der löbliche Versuch, einen Ausgleich der bekannten unterschiedlichen Auffassungen, die ja jeweils von Theologen in unterschiedlichen Lehr- und Verkündigungsfunktionen artikuliert werden, zu schaffen.
    Dass Sie das Bemühen um die Abschaffung der Diskriminierung von Homosexuellen (die sich Ihre sexuelle Orientierung ja nicht ausgesucht haben) als Glorifizierung bezeichnen, ist m.E. nicht gerade ein Ausweis von überschäumender christlicher Nächstenliebe.
    Und welche Auffassung den Mitgliederschwund verstärkt sei mal dahin gestellt.
    Natürlich sollte eine Landeskirche die Mehrheit Ihrer Mitglieder verteten, aber wie groß ist die in welchen Sachfragen? Unser Landesbischof wurde nicht im ersten Wahlgang mit überwältigender Mehrheit gewählt. Und? Sollte eine Landseskirche nicht alle Glieder verteten? Soll die Minderheit gleich austreten?
    Ich halte diese Diskussion um Mehrheiten und mögliche Austrittsursachen für sehr gefährlich.
    In dieser Landeskirche muss sich jeder zu Hause fühlen können. Zu Hause, das sind die Gemeinden. Dazu hat Kathrin Mette passendes geschrieben.
    Zur Politik: Christen tuen gut daran, Politiker oder Parteiprogramme an ihre Kompatibilität mit christlichen Werten zu messen.

  • #6

    Kathrin Mette (Mittwoch, 25 Mai 2016 20:38)

    Sehr geehrter Herr Schlesinger,
    zunächst einmal: Ich finde es ganz natürlich, dass es in einer Kirche wie der unseren Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungen an das kirchliche Leben gibt und ich bin froh, dass wir in der Ev.-Luth. Landeskirche eine große Bandbreite von Kirchgemeinden mit verschiedenen Schwerpunkten bzw. einer unterschiedlichen Frömmigkeitskultur haben. Dies macht es möglich, dass sich jeder und jede dort einfindet, wo er sich zuhause fühlt. Natürlich geht das in der Stadt (zumal in einer Großstadt) einfacher als auf dem Land, aber selbst dort ist das Angebot wie ich finde doch mittlerweile recht breit.

    Freilich möchte ich Ihnen bei einigen Punkten, die Sie vorbringen, auch deutlich widersprechen.
    Das Argument, dass eine Gleichbehandlung (wie kommen Sie auf Glorifizierung?) homosexuell veranlagter Menschen oder Partnerschaften mit einer Diskriminierung der "normalen" Familie einhergeht, liest und hört man zwar immer wieder, nur kann ich es nicht nachvollziehen. Warum sollte das so sein? Recht und Anerkennung sind doch keine begrenzten Güter, bei denen ich der einen Partei etwas wegnehme, wenn ich sie einer anderen Partei gewähre.

    Wo finden Sie in den Texten des Forums Wahlwerbung für Grüne oder Die Linke?
    Ein spannendes Thema übrigens ... wie es sich mit dem Verhältnis von politischer Aktivität und christlichem Glauben verhält. Könnte man glatt in die Angebotsliste für den Forumstag aufnehmen, zu dem Sie übrigens herzlich eingeladen sind.

    Mit freundlichen Grüßen
    K. Mette

  • #5

    Manfred Schlesinger (Dienstag, 24 Mai 2016 19:35)

    Dieses Forum ist ein weiterer Sargnagel für die sächsische Landeskirche, die evangelische Kirche in Deutschland und das traditionelle Christentum. Es dient zum Hervorheben sich benachteiligt fühlender Minderheiten und der Profilierung "progressiver" Pfarrer. Es wird den Mitgliederschwund eher beschleunigen. Ich bin froh, daß es in unserer Landeskirche noch nicht so "fortschrittlich" zugeht, wie in den meisten anderen. Viele besuchte Gottesdienste in den alten Bundesländern waren für mich befremdlich. Die Kanzel war das Rednerpult für politische Ansichten, dass Abendmahl nicht wiederzuerkennen. Ich möchte keine weitere Anpassung an diese Art der Gottesdienste. Ich möchte nicht, das Schwulsein glorifiziert wird und die normale Familie diskriminiert. Ich möchte keine Wahlwerbung für Grüne und die ehemalige SED. Wahrscheinlich ist schon vergessen, was diese Parteien wollten und wollen- Kirche abschaffen. Vielleicht kennen die Verantwortlichen dieses Forums diese Zeit selbst nicht mehr. Ich möchte eine Kirche, die auch die Mehrheit ihrer Mitglieder vertritt. Ich bin dankbar für unseren Landesbischof. Ich bin dankbar für den "Zeitgeist von Vorgestern" in einigen Kirchen. Fundamentalismus können diese Art von Gottesdienst nur "Progressive" nennen.Die vom Forum gepriesene Toleranz erschöpft sich wahrscheinlich schon beim Thema AfD. Wer übt mit den Kirchenmitgliedern Solidarität, die mit dieser Partei sympathisieren? Auch sie werden ausgegrenzt und diskriminiert.

  • #4

    Frank Martin (Freitag, 20 Mai 2016 21:37)

    Sehr geehrter Herr Berger,
    da wir nicht über den Heiligen Geist verfügen – der ja bekanntlich weht, wo er will – können wir ihn erbitten, aber nicht anbieten. Ob das, was wir versuchen, vom Geist Gottes begleitet wird, wird die Zeit zeigen. Sonst mag es getrost vergehen.
    Was ich aus Erfahrung weiß: Manchmal wird der Geist Gottes gesehen, wo doch nur der Zeitgeist von Vorgestern verehrt wird. Leider werden diesem Zeitgeist allzu oft auch Opfer gebracht. Und genau diesem Zeitgeist wollen wir begegnen mit einem neuen und progressiven Geist.
    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Martin

  • #3

    Tim Berger (Freitag, 20 Mai 2016 17:54)

    Also hier bin ich wohl falsch, ich wünsche mir Gottes Heiligen Geist in der sächsischen Landeskirche und da und dort erlebt man diesen auch. Von daher habe ich keine Sehnsucht nach einem neuen und/oder progressivem Geist. Es werden sich aber einige davon angesprochen fühlen...

  • #2

    Christoph Gutsche (Donnerstag, 19 Mai 2016 10:54)

    Vielen Dank für dieses Forum! Ein großartiges, pfingstliches Ereignis. Für mich auch ein Zeichen der Freiheit, die unter uns ist, auch wenn die äußeren Zeichen an vielen Stellen gerade das Gegenteil sagen wollen. Das Forum ist hoffentlich für viele ein Impuls für Mut und Klarheit und eine Rückenstärkung für alle, für die freiheitlicher, aufgeklärter und menschenfreundlicher Glauben der Grund ihres Lebens und ihres Tuns sind. Ich bin gern hier dabei, wenn gewollt und gewünscht auch mit Beiträgen. Am 27. August leider nicht, aber es geht ja auch gerade erst los...

  • #1

    Clemens Fricke (Samstag, 14 Mai 2016 12:40)

    Ganz herzlichen Glückwunsch zur Gründung des Forums! Es ist gut, dass es einen Ort gibt, an dem die Stimmen derer sich sammeln und austauschen können, die die Sehnsucht nach Weite, Großzügigkeit und Offenheit im Glauben teilen. Und es ist wichtig, sich rechtzeitig (?) zu organisieren, um auch auf einer kirchenpolitischen Ebene Widerstand dagegen zu organisieren, dass die sächsische Landeskriche in einen furchtbaren Krebsgang verfällt. Damit das Evangelium als Botschaft der Befreiung erkennbar und erlebbar bleibt.